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Philipp54, Sonntag, 26.04.2020, 15:01 (vor 2075 Tagen) @ Philipp54

„ HERR PRÄSIDENT. SIE SIND EIN FOLTERKNECHT“
"So hatte mit dem wahrscheinlich nie einer geredet“
Ob Pinochet, griechische Junta , DDR oder Türkei - kein Blatt vor den Mund.

Zwischen dem am rechten Rand fischenden Strauss , Heiner Geissler und mittig dicken Kohl.

Pinochet unterbreitete Blüm ein perfides Angebot: Auf seinem Schreibtisch liege eine Liste mit 16 Namen. Der Befehl zur Hinrichtung. Bereit zur Unterschrift. Wenn Deutschland diesen 16 Todeskandidaten Asyl gewähre ... bitte schön. Dann verzichte er auf die Hinrichtung. Blüm flog zurück nach Bonn. Er ahnte, dass Pinochet darauf spekulierte, ihn öffentlich als Maulhelden bloßstellen zu können. Und er ahnte, dass der Diktator auf seine zahlreichen Freunde in der CSU bauen konnte.
In München tobte Franz Josef Strauß, Blüms dreister Auftritt in Chile koste die deutsche Wirtschaft Millionen, weil das chilenische Militär den geplanten Kauf von 800 deutschen Lastwagen soeben storniert habe. "Aber ich kann doch als christlicher Politiker nicht die Menschenrechtsverletzungen in der Sowjetunion anprangern und zu Lateinamerika schweigen", sagt Blüm.

Sondersitzung des Bundestages zum Thema Chile. Die eigene Fraktion setzt Blüm auf den letzten Platz der Rednerliste. Einige Redner überziehen, und Rudolf Seiters, damals Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, teilt seinem Parteifreund Blüm noch während der Debatte mit, dass sein Redebeitrag wegen der fortgeschrittenen Zeit nun doch leider entfallen müsse. Da funkt die Grünen-Fraktion dazwischen und schenkt ihren (vorletzten) Redeplatz Blüm. Fünf Minuten Zeit, um das Grauen der chilenischen Militärdiktatur und des deutschen Folterlagers im Süden des Landes zu schildern. "Ernst Albrecht, Ministerpräsident von Niedersachsen, kam zu mir und sagte: Ich mach's, ich nehme das auf meine Kappe und gewähre den 16 Menschen Asyl."
Viele Jahre später, lange nach dem Ende des Terrorregimes, reisten Norbert und Marita Blüm nach Chile, um ihre Tochter zu besuchen. Die war nach Santiago gegangen, um als Lehrerin in einem Armenviertel der Hauptstadt zu arbeiten. "In einer Markthalle stand plötzlich ein Mann vor mir und fragte: Sind Sie Herr Blüm? Ich nickte. Der Mann fiel mir um den Hals und drückte mich so fest, dass ich dachte, ich kriege keine Luft mehr. Dann sagte er: Sie haben mein Leben gerettet. Ich war einer der 16 Verurteilen, die hingerichtet werden sollten."

„Kein Zentimeter wird zurückmarschiert“


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