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USA - Nachhaltiger Protest oder same procedure as every year (Sonstiges)

TrainerFuxx, Cosmopolit, Samstag, 30.05.2020, 06:23 (vor 2042 Tagen)
bearbeitet von TrainerFuxx, Samstag, 30.05.2020, 06:35

Ich habe jetzt auf CNN 2 Stunden lang verstörende Bilder aus den USA gesehen.

Ich kann es nicht einordnen.
Ist es wie sonst auch immer, irgend etwas passiert, dann wird es ein paar Tage laut, und selbst nach krassen Protesten wie nach R. King in LA oder Schießereien im Kindergarten geht's später wieder weiter wie immer?

Aktuell versammeln sich sogar Leute vor dem Weißen Haus.
Es wird in vielen Städten demonstriert. Es wird teilweise gebrandschatzt.

Ich kann auch überhaupt nicht sagen, es sind nur Schwarze, Natives usw. Ich sehe genauso viele Weiße.
Wird es nachhaltig? Wird es Änderungen geben?

Ist das zB in Minneapolis gewollt, weil dort eine Ausgangssperre ab 20 Uhr ausgesprochen wurde, sich aber kurze Zeit später Polizei und 500 dazugeholte National Guards aus der Stadt komplett zurückziehen?
Die Bilder von Plünderungen und Bränden dort geben zB Trump jetzt wochenlang Futter und Ablenkung vor den Wahlen. Mit Absicht? Ließ man deswegen 2 Polizeiabschnitte in Minneapolis in Brand aufgehen/angreifen?

Gestern habe ich noch gedacht, es ist wie immer, man überlässt den Leuten die Straßen zum Frust auslassen. Nach 3-4 Tagen kommt die Nationalgarde und es ist vorbei.

Heute kann ich es nicht mehr einschätzen.
Selbst CNN schlug plötzlich in der Berichterstattung um, als in Atlanta heute Nacht ihr Headquarter von Demonstranten angegriffenen wurde.

Was wird in den USA am Montag sein?

USA - Nachhaltiger Protest oder same procedure as every year

TobiHH, Samstag, 30.05.2020, 11:15 (vor 2042 Tagen) @ TrainerFuxx

sind nicht viele proteste gerade wegen dem mord vom polizisten? oder vermischt die presse nun einfach alles? (z.b. polizeiwache anzünden)

Empires rise and fall

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 30.05.2020, 10:48 (vor 2042 Tagen) @ TrainerFuxx
bearbeitet von FourrierTrans, Samstag, 30.05.2020, 11:07

Die USA sind politisch, gesellschaftlich und strukturell nicht zukunftsfähig. Die Ausschreitungen würden in "normalen" Zeiten irgendwann abebben, wie du schon richtig sagst, diese Rassenunruhen haben in den Staaten eine lange und traurige Historie.

Die Probleme und "root causes" liegen hierbei jedoch tiefer. Donald Trump ist sicherlich ein Beschleuniger, aber seine Wahl auch nur ein Ausdruck dessen, dass man hier gerade eine Weltmacht fallen sieht, Covid-19 ein zusätzlicher Torpedo. Das Land ist so tief gespalten wie seit dem Sezessionskrieg nicht mehr. Die Gegensätze in den Staaten werden immer größer, unüberwindbarer und ungerechter. Eine gute Freundin von mir ist vor einigen Jahren zu einem Spezialisten in die USA mit einer Militärmaschine ausgeflogen worden (nach großer Sammelaktion im Ort + Versicherungszulagen). In ganz Europa gab es keine Klinik, die sie operieren wollte, aufgrund aussichtloser Überlebenschancen bei dem Eingriff. Seit der OP in den Staaten lebt sie ein relativ gutes, wenn auch etwas eingeschränktes, Leben. Auf der anderen Seite sterben jährlich Hunderttausende Amerikaner an dubiosen Medikamenten, der Grippe und ähnlichen leichten Erkrankungen, weil sie sich keinen Arztbesuch leisten können. Wenn man einige Zeit in dem Land verbracht hat, wird man die skurrilsten (verstörendsten) Geschichten zum Thema medizinische Versorung miterlebt haben. Das Land lebt notorisch auf Pump, jeder Amerikaner hat 4-5 Kredikarten, nicht wenige haben da schon die meisten Limits ausgereizt. Es bringt die größten und erfolgreichsten Tech-Konzerne der Welt hervor, in Michigan, Illinois und anderen Bundesstaaten sehen Straßen und öffentliche Plätze aber aus, als wäre die Rote Armee einen Tag zuvor vorbeigerollt. Nicht selten führen Stromtrassen aus Holz in die großen Städte.
Man fühlt sich an den Geschichtsunterricht aus der Schule erinnert und der Dekadenz der spätrömischen Haute Couture, die das Reich in den Abgrund stürzte, allen Warnsignalen zum Trotze. Eine zweite, in etwa gleichstarke Macht, mit der sich die Römer in Rivalität gegenüberstanden (dem Persischen Reich) gibt es übrigens auch schon: China. Dessen weltweite Hegemoniebestrebungen deutlich strukturierter und intensiver angegangen werden, als die der USA.
Ähnliche Tendenzen überbordender Dekadenz der Elite sieht man hier allerdings bereits ebenso, wenn die Bundeskanzlerin auf einfache Fragen nach der Menschenwürde bei der Ausführung von Pflegeberufen einem Azubi dazu keine befriedigende Antwort geben kann.

Empires rise and fall

MirkoWSG, Samstag, 30.05.2020, 14:49 (vor 2042 Tagen) @ FourrierTrans

Ohne China läuft heutzutage nichts mehr.
Wenn in China wegen Corona die Produktionsanlagen ausfallen stehen 3 Wochen später in der ganzen Welt die Bänder still, so sehr ist man auf die billigen Bauteile aus China angewiesen.

Empires rise and fall

TrainerFuxx, Cosmopolit, Samstag, 30.05.2020, 13:39 (vor 2042 Tagen) @ FourrierTrans

Vielen Dank für deine umfangreichen Erläuterungen.

Ich habe als Berliner bereits ein Imperium direkt vor meiner Haustür fallen sehen in meinem Leben.

Jedoch war das Zerfallen des Warschauer Paktes und der UdSSR friedlich geblieben(bis auf Rumänien und den Folgen auf dem Balkan).

Zur Lage in den USA

Gestern noch "schoss" die Trump Administration in Richtung China wegen Hongkong, ich kann mir vorstellen was heute in den chinesischen Nachrichten bezüglich der Lage in den USA los ist.

Auch wenn Reagan u. a. mit dem "star wars" Programm zum Untergang der UdSSR beigetragen hat(in die Pleite) , kann ich mir aktuell nicht vorstellen, dass die USA einen weiteren Kalten Krieg mit China gewinnen können.

Aber ganz ehrlich, eine Welt mit chinesischer Vorherrschaft stelle ich mir definitiv nicht besser vor.

Empires rise and fall

Thomas, Dortmund, Samstag, 30.05.2020, 13:12 (vor 2042 Tagen) @ FourrierTrans

der Dekadenz der spätrömischen Haute Couture, die das Reich in den Abgrund stürzte, allen Warnsignalen zum Trotze.

Was war denn Schuld? Miederhosen, Faltenrock, Schlaghose oder Schulterpolster?

Empires rise and fall

Floatdownstream, Lünen, Samstag, 30.05.2020, 12:48 (vor 2042 Tagen) @ FourrierTrans

Bei spätrömischer Dekadenz fällt mir momentan allerdings als erstes ein Prolet im Lambo ein :-)

USA - Nachhaltiger Protest oder same procedure as every year

TrainerFuxx, Samstag, 30.05.2020, 08:02 (vor 2042 Tagen) @ TrainerFuxx

Ich befürchte daß das noch eine längere Zeit anhalten wird oder eventuell sogar noch mehr eskalieren wird.
Das Problem die Pandemie und der Schaden sind ja noch da, wenn ich mich nicht irre sind glaub ich grad 40 Mio arbeitslos geworden.
Zurück zur Tagesordnung wird aktuell extrem schwer für die werden.

USA - Nachhaltiger Protest oder same procedure as every year

Frankonius, Frankfurt, Samstag, 30.05.2020, 14:59 (vor 2041 Tagen) @ NGM

Trump stellt sich das so vor, dass es spätestens im Oktober wieder nahezu Vollbeschäftigung in den USA gibt - im November soll gewählt werden und alles andere als eine triumphale Wiederwahl ist für ihn nicht akzeptabel.
Der Arbeitsmarkt in den USA ist zwar auch in die Richtung Job bekommen sehr flexibel aber aktuell gilt mehr fire als hire.
Die Erkenntnis, dass das ganze System fast ohne jede Absicherung und einem Leben auf Pump auf tönernen Füßen steht, wird sich auch nach Corona nicht verbreiten.

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