Eine Dortmunder Fabrik wird zum Spielball der Weltpolitik [SZ] (Sonstiges)
FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 10:12 (vor 1176 Tagen)
https://www.sueddeutsche.de/politik/chip-fabrik-elmos-china-1.5683718
Ernüchternd. Die deutsche Autoindustrie ächzt seit 2 Jahren wegen fehlender Halbleiter, zunehmend aber auch wegen fehlender mechanischer Komponenten, und da scheint eines der wenigen Hochtechnologie-Unternehmen Dortmunds nach China abzuwandern. Zwar nicht die neueste Wafer-Technologie, dennoch enorm wichtig für viele Industriezweige, deren Bänder jetzt schon stehen, weil abhängig vom Ausland.
Eine Dortmunder Fabrik wird zum Spielball der Weltpolitik [SZ]
Ulrich, Samstag, 29.10.2022, 10:25 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans
https://www.sueddeutsche.de/politik/chip-fabrik-elmos-china-1.5683718
Ernüchternd. Die deutsche Autoindustrie ächzt seit 2 Jahren wegen fehlender Halbleiter, zunehmend aber auch wegen fehlender mechanischer Komponenten, und da scheint eines der wenigen Hochtechnologie-Unternehmen Dortmunds nach China abzuwandern. Zwar nicht die neueste Wafer-Technologie, dennoch enorm wichtig für viele Industriezweige, deren Bänder jetzt schon stehen, weil abhängig vom Ausland.
Elmos ist ein eher kleinerer Marktteilnehmer. Aber trotzdem frage ich mich, was das Management dort wohl treibt. Bereits vor drei Jahren hat man eine amerikanische Tochter verkauft, jetzt will man auch die Fertigung abstoßen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage der Automobil-Industrie bei weitem nicht gedeckt werden kann. Will man sich selbst filetieren?
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Rupo, Ruhrpott, Samstag, 29.10.2022, 12:35 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
Die Nachfrage sinkt aber aktuell
https://www.heise.de/news/Der-Anfang-vom-Chipmangel-Ende-Hersteller-streichen-massenhaft-Bestellungen-7165116.html
ansonsten, Globalisierung und so...
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Ulrich, Samstag, 29.10.2022, 12:48 (vor 1176 Tagen) @ Rupo
Die Nachfrage sinkt aber aktuell
https://www.heise.de/news/Der-Anfang-vom-Chipmangel-Ende-Hersteller-streichen-massenhaft-Bestellungen-7165116.html
ansonsten, Globalisierung und so...
Falls es in China in diesem Winter einen neuen großen Omikron-Ausbruch geben sollte, dann kann sich das aber schnell wieder ändern. Auf der anderen Seite könnte es auch passieren, dass große Betriebe dicht gemacht werden und für Wochen bis Monate als Nachfrager ausfallen. Es gibt schon wieder erste Fälle:
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 12:47 (vor 1176 Tagen) @ Rupo
Die Nachfrage sinkt aber aktuell
https://www.heise.de/news/Der-Anfang-vom-Chipmangel-Ende-Hersteller-streichen-massenhaft-Bestellungen-7165116.html
ansonsten, Globalisierung und so...
Jein. In Summe nimmt bei TSMC die Nachfrage ab, ganz am Anfang der Kette. Auch für Hochtechnologiegrößen knickt die Kurve ein. Für die "großen" Nm-Technologien, die in der Autobranche benötigt werden, ist die Nachfrage ungebrochen. Und kann auch durch die sinkende Nachfrage in den Hochtechnologie-Wafer-Fabs nicht aufgefangen werden, da die solche Nm-Größen gar nicht mehr in footprint haben.
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Cartman, Dorstfeld und Block 12, Samstag, 29.10.2022, 10:31 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
Die Produktion ist veraltet und würde in 3 Jahren geschlossen. Silex kann sie noch lange Nutzen um sein Produkte herzustellen da man bei Mems nicht auf so kleine Strukturen angewiesen ist.
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 10:33 (vor 1176 Tagen) @ Cartman
Die Produktion ist veraltet und würde in 3 Jahren geschlossen. Silex kann sie noch lange Nutzen um sein Produkte herzustellen da man bei Mems nicht auf so kleine Strukturen angewiesen ist.
Die Produktion oder die Produkte? Ich kenne Elmos jetzt nicht so gut von innen, aber der Markt für diese Nm-Größen ist weiterhin gigantisch, die komplette EV-Strategie der weltweiten Autobauer setzt diese noch längere Zeit ein und niemand kann/will das Loch in den nächsten 5-6 Jahren stopfen. Es gibt da nur einige große Player wie TI oder Infineon, in Teilen. Der Rest à la Intel und co. ist schon lange weg von den Nm-Größen (auch die so medial bejubelten neuen Fabs werden von der Technologie her der Autoindustrie kein Stück weiterhelfen bei ihrem Semcion-Mangel).
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Cartman, Dorstfeld und Block 12, Samstag, 29.10.2022, 10:35 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans
Die Produktion ist veraltet und würde in 3 Jahren geschlossen. Silex kann sie noch lange Nutzen um sein Produkte herzustellen da man bei Mems nicht auf so kleine Strukturen angewiesen ist.
Die Produktion oder die Produkte? Ich kenne Elmos jetzt nicht so gut von innen, aber der Markt für diese Nm-Größen ist weiterhin gigantisch, die komplette EV-Strategie der weltweiten Autobauer setzt diese noch längere Zeit ein und niemand kann das Loch in den nächsten 5-6 Jahren stopfen.
Beide irgendwie. Zumindest in der Technologie die in Dortmund möglich ist. Es geht bei dem Verkauf nur um den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen.
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Ulrich, Samstag, 29.10.2022, 11:28 (vor 1176 Tagen) @ Cartman
Die Produktion ist veraltet und würde in 3 Jahren geschlossen. Silex kann sie noch lange Nutzen um sein Produkte herzustellen da man bei Mems nicht auf so kleine Strukturen angewiesen ist.
Die Produktion oder die Produkte? Ich kenne Elmos jetzt nicht so gut von innen, aber der Markt für diese Nm-Größen ist weiterhin gigantisch, die komplette EV-Strategie der weltweiten Autobauer setzt diese noch längere Zeit ein und niemand kann das Loch in den nächsten 5-6 Jahren stopfen.
Beide irgendwie. Zumindest in der Technologie die in Dortmund möglich ist. Es geht bei dem Verkauf nur um den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen.
Und was will Elmos selbst nach dem Verkauf machen? Auf Lohnfertiger ausweichen? Bei denen stapeln sich gerade die Aufträge bis unter die Decke.
Das ganze klingt alles andere als logisch.
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 11:32 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
bearbeitet von FourrierTrans, Samstag, 29.10.2022, 11:37
Die Produktion ist veraltet und würde in 3 Jahren geschlossen. Silex kann sie noch lange Nutzen um sein Produkte herzustellen da man bei Mems nicht auf so kleine Strukturen angewiesen ist.
Die Produktion oder die Produkte? Ich kenne Elmos jetzt nicht so gut von innen, aber der Markt für diese Nm-Größen ist weiterhin gigantisch, die komplette EV-Strategie der weltweiten Autobauer setzt diese noch längere Zeit ein und niemand kann das Loch in den nächsten 5-6 Jahren stopfen.
Beide irgendwie. Zumindest in der Technologie die in Dortmund möglich ist. Es geht bei dem Verkauf nur um den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen.
Und was will Elmos selbst nach dem Verkauf machen? Auf Lohnfertiger ausweichen? Bei denen stapeln sich gerade die Aufträge bis unter die Decke.Das ganze klingt alles andere als logisch.
Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.
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Ulrich, Samstag, 29.10.2022, 11:45 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans
Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.
Weyer Beteiligungsgesellschaft mbH und verbundene Parteien 22,68%
Jumakos Beteiligungsgesellschaft mbH 17,04%
ZOE-VVG GmbH und verbundene Parteien 16,29%
Eigene Aktien 3,30%
Streubesitz 40,69%
Die Frage könnte eventuell auch sein, ob die Automobilindustrie bereit ist, langfristige Abnahmeverpflichtungen einzugehen - oder nicht.
Auch die aktuelle Chipkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man die Bestellmengen deutlich reduziert. Als man dann nachbestellen wollte, waren andere schneller gewesen.
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 11:50 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
bearbeitet von FourrierTrans, Samstag, 29.10.2022, 11:54
Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.
Weyer Beteiligungsgesellschaft mbH und verbundene Parteien 22,68%
Jumakos Beteiligungsgesellschaft mbH 17,04%
ZOE-VVG GmbH und verbundene Parteien 16,29%
Eigene Aktien 3,30%
Streubesitz 40,69%Die Frage könnte eventuell auch sein, ob die Automobilindustrie bereit ist, langfristige Abnahmeverpflichtungen einzugehen - oder nicht.
Meiner Ansicht nach nicht. Ich bin Angestellter in einem der größten Tier1, ein partnerschaftliches Verhältnis gibt es nicht mehr. Die deutschen OEMs pflegen seit ~10 Jahren eine Form von abnormaler Machtausübung, die am Ende zu einer Konsolidierungswelle führen wird (hat schon begonnen). Insbesondere das Tier1-Geschäft hat im Grunde keine Existenzberechtigung mehr, das zukünftige Geschäftsmodell erschließt sich mir nicht.
Auch die aktuelle Chipkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man die Bestellmengen deutlich reduziert. Als man dann nachbestellen wollte, waren andere schneller gewesen.
Korrekt, um genau zu sein, man hat sie teils vollständig abgekündigt. Und auch heute meinen die OEMs immer noch, ihre mittelfristigen Bedarfe (2-3 Monate ahead) hoch- und runterzuregulieren, wobei die Bedingungen der Halbleiterhersteller relativ klar sind: Rausgenommene und kurz darauf wieder neu eingestellte Bedarfe müssen als "neue Bestellung" betrachtet werden, ergo 50-75 Wochen Lieferzeit.
Die deutschen OEMs sind desaströs schlecht geführt.
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Lattenknaller, Madrid, Samstag, 29.10.2022, 13:06 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans
Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.
Weyer Beteiligungsgesellschaft mbH und verbundene Parteien 22,68%
Jumakos Beteiligungsgesellschaft mbH 17,04%
ZOE-VVG GmbH und verbundene Parteien 16,29%
Eigene Aktien 3,30%
Streubesitz 40,69%Die Frage könnte eventuell auch sein, ob die Automobilindustrie bereit ist, langfristige Abnahmeverpflichtungen einzugehen - oder nicht.
Meiner Ansicht nach nicht. Ich bin Angestellter in einem der größten Tier1, ein partnerschaftliches Verhältnis gibt es nicht mehr. Die deutschen OEMs pflegen seit ~10 Jahren eine Form von abnormaler Machtausübung, die am Ende zu einer Konsolidierungswelle führen wird (hat schon begonnen). Insbesondere das Tier1-Geschäft hat im Grunde keine Existenzberechtigung mehr, das zukünftige Geschäftsmodell erschließt sich mir nicht.
Auch die aktuelle Chipkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man die Bestellmengen deutlich reduziert. Als man dann nachbestellen wollte, waren andere schneller gewesen.
Korrekt, um genau zu sein, man hat sie teils vollständig abgekündigt. Und auch heute meinen die OEMs immer noch, ihre mittelfristigen Bedarfe (2-3 Monate ahead) hoch- und runterzuregulieren, wobei die Bedingungen der Halbleiterhersteller relativ klar sind: Rausgenommene und kurz darauf wieder neu eingestellte Bedarfe müssen als "neue Bestellung" betrachtet werden, ergo 50-75 Wochen Lieferzeit.Die deutschen OEMs sind desaströs schlecht geführt.
Das betrifft ja nicht nur die deutsche Automobilindustrie. Viele große Unternehmen zeigen erhebliche Planungsschwächen und eine teils haarsträubende Arroganz. Eine meiner Kunden hat verschiedene langfristige strategische wichtige IT-Projekte. Darunter für Produkte, die seit Jahren unbedingt eine Ablösung benötigen, um Geschäftsfelder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Wir haben schon vor längerem darauf als Verbund von SAP-Beratern und Entwicklern auf einen gewissen Kapazitätsbedarf hingewiesen. Im Frühjahr haben wir dann das Team aufgestockt, was eine Glanzleistung war. Denn SAP-Experten mit Erfahrung sind ungefähr so rar und begehrt wie Halbleiter. Vor 4 Monaten müssen da ein paar Controller was gerechnet haben und wollten schon einmal Kosten sparen. Die neuen Kollegen mussten also wieder raus aus dem Projekt. Kein Problem für die, habe einfach woanders weitergemacht. Nun bettelt der Kunde wieder händeringend um mehr Leute, weil die Strategie und auch die Projekte ja weiter laufen müssen.
Das gleiche Spiel wie bei Projekten der SAP, die am Jahresende aus Bilanzgründen mal eine Heerschar von externen rauswirft. Um dann kurz darauf wieder neue zu suchen. Und dann wundert man sich, wieso manche Produkte der SAP nie den Stand von Prototypen verlassen.
Aus dem Stand kenne ich noch ein paar andere Großunternehmen, die so verfahren. So kriege ich natürlich nie sauber Innovation umgesetzt. Und dann wundert man sich.
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Ulrich, Samstag, 29.10.2022, 13:23 (vor 1176 Tagen) @ Lattenknaller
Das betrifft ja nicht nur die deutsche Automobilindustrie. Viele große Unternehmen zeigen erhebliche Planungsschwächen und eine teils haarsträubende Arroganz. Eine meiner Kunden hat verschiedene langfristige strategische wichtige IT-Projekte. Darunter für Produkte, die seit Jahren unbedingt eine Ablösung benötigen, um Geschäftsfelder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Wir haben schon vor längerem darauf als Verbund von SAP-Beratern und Entwicklern auf einen gewissen Kapazitätsbedarf hingewiesen. Im Frühjahr haben wir dann das Team aufgestockt, was eine Glanzleistung war. Denn SAP-Experten mit Erfahrung sind ungefähr so rar und begehrt wie Halbleiter. Vor 4 Monaten müssen da ein paar Controller was gerechnet haben und wollten schon einmal Kosten sparen. Die neuen Kollegen mussten also wieder raus aus dem Projekt. Kein Problem für die, habe einfach woanders weitergemacht. Nun bettelt der Kunde wieder händeringend um mehr Leute, weil die Strategie und auch die Projekte ja weiter laufen müssen.
Das gleiche Spiel wie bei Projekten der SAP, die am Jahresende aus Bilanzgründen mal eine Heerschar von externen rauswirft. Um dann kurz darauf wieder neue zu suchen. Und dann wundert man sich, wieso manche Produkte der SAP nie den Stand von Prototypen verlassen.
Aus dem Stand kenne ich noch ein paar andere Großunternehmen, die so verfahren. So kriege ich natürlich nie sauber Innovation umgesetzt. Und dann wundert man sich.
Ich bekomme das nur von außen mit. Aber das, was ich da wahrnehme, "reicht" mir. Chinesische Unternehmen denken vielfach strategisch. Europäische teilweise nicht einmal von Zwölf bis Mittag.
Der aktuelle Mercedes-Chef hat vor einiger Zeit verkündet, dass man auf längere Sicht nur Fahrzeuge im Preissegment oberhalb von 100.000 € verkaufen möchte. Das hieße, A-, B-, C- und Teile der E-Klasse, etc. würden wegfallen. Aber wer soll die Luxus-Mobile kaufen? Der Markt ist nicht annähernd groß genug, um den Wegfall im Bereich der Mittelklasse zu kompensieren. Auch VW will sich vom Polo trennen, Ford hat den Fiesta abgekündigt.
Nachvollziehbar wäre so eine Strategie, wenn man die kleineren Modelle mit Verbrennungsmotor durch Nachfolger mit Elektro-Antrieb ersetzen würde. Aber auch hier setzt man auf möglichst teure Fahrzeuge. Einstiegsmodelle wie den Renault Zoe, den BMW i3 oder den VW e-up! sind entweder schon gestrichen oder stehen auf der Abschussliste.
Wer heute einen kleineren Neuwagen kaufen will, muss eine extrem lange Wartezeit in Kauf nehmen. Man produziert -auch wegen des IC-Mangels- vor allem Mittelklasse- bis Oberklasse-Fahrzeuge mit Vollausstattung. An denen verdient man mehr.
Alles in allem führt dieser Weg meiner Meinung nach in eine Sackgasse. Und verantwortlich sind Egomanen in der Spitze der Unternehmen.
Auf der anderen Seite sehen wir plötzlich eine Entwicklung ähnlich wie in den Fünfzigern. Plötzlich tauchen viele kleine, innovative Unternehmen auf, die einfach ausgestattete E-Kleinwagen entwickeln. Die Frage ist aber, ob die die Probleme tatsächlich in den Griff bekommen und ihre Fahrzeuge auch längerfristig auf den Markt bringen.
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 13:27 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
Das betrifft ja nicht nur die deutsche Automobilindustrie. Viele große Unternehmen zeigen erhebliche Planungsschwächen und eine teils haarsträubende Arroganz. Eine meiner Kunden hat verschiedene langfristige strategische wichtige IT-Projekte. Darunter für Produkte, die seit Jahren unbedingt eine Ablösung benötigen, um Geschäftsfelder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Wir haben schon vor längerem darauf als Verbund von SAP-Beratern und Entwicklern auf einen gewissen Kapazitätsbedarf hingewiesen. Im Frühjahr haben wir dann das Team aufgestockt, was eine Glanzleistung war. Denn SAP-Experten mit Erfahrung sind ungefähr so rar und begehrt wie Halbleiter. Vor 4 Monaten müssen da ein paar Controller was gerechnet haben und wollten schon einmal Kosten sparen. Die neuen Kollegen mussten also wieder raus aus dem Projekt. Kein Problem für die, habe einfach woanders weitergemacht. Nun bettelt der Kunde wieder händeringend um mehr Leute, weil die Strategie und auch die Projekte ja weiter laufen müssen.
Das gleiche Spiel wie bei Projekten der SAP, die am Jahresende aus Bilanzgründen mal eine Heerschar von externen rauswirft. Um dann kurz darauf wieder neue zu suchen. Und dann wundert man sich, wieso manche Produkte der SAP nie den Stand von Prototypen verlassen.
Aus dem Stand kenne ich noch ein paar andere Großunternehmen, die so verfahren. So kriege ich natürlich nie sauber Innovation umgesetzt. Und dann wundert man sich.
Ich bekomme das nur von außen mit. Aber das, was ich da wahrnehme, "reicht" mir. Chinesische Unternehmen denken vielfach strategisch. Europäische teilweise nicht einmal von Zwölf bis Mittag.>
Meinem Eindruck nach 100%ig so. In den AGs, die ich von intern kenne, geht es wirklich nur noch bis zum nächsten Quartalsbericht. Personalentwicklung ist gänzlich passé, wenn das Wachstum nur noch einstellig ist, werden alle Handbremsen gezogen. Kurzarbeit. Auf Kosten der operativen und strategischen Weitsicht.
Habe aber das Gefühl, dass das im politischen Metier ganz genauso ist.
Der aktuelle Mercedes-Chef hat vor einiger Zeit verkündet, dass man auf längere Sicht nur Fahrzeuge im Preissegment oberhalb von 100.000 € verkaufen möchte. Das hieße, A-, B-, C- und Teile der E-Klasse, etc. würden wegfallen. Aber wer soll die Luxus-Mobile kaufen? Der Markt ist nicht annähernd groß genug, um den Wegfall im Bereich der Mittelklasse zu kompensieren. Auch VW will sich vom Polo trennen, Ford hat den Fiesta abgekündigt.
Nachvollziehbar wäre so eine Strategie, wenn man die kleineren Modelle mit Verbrennungsmotor durch Nachfolger mit Elektro-Antrieb ersetzen würde. Aber auch hier setzt man auf möglichst teure Fahrzeuge. Einstiegsmodelle wie den Renault Zoe, den BMW i3 oder den VW e-up! sind entweder schon gestrichen oder stehen auf der Abschussliste.
Wer heute einen kleineren Neuwagen kaufen will, muss eine extrem lange Wartezeit in Kauf nehmen. Man produziert -auch wegen des IC-Mangels- vor allem Mittelklasse- bis Oberklasse-Fahrzeuge mit Vollausstattung. An denen verdient man mehr.
Alles in allem führt dieser Weg meiner Meinung nach in eine Sackgasse. Und verantwortlich sind Egomanen in der Spitze der Unternehmen.
Auf der anderen Seite sehen wir plötzlich eine Entwicklung ähnlich wie in den Fünfzigern. Plötzlich tauchen viele kleine, innovative Unternehmen auf, die einfach ausgestattete E-Kleinwagen entwickeln. Die Frage ist aber, ob die die Probleme tatsächlich in den Griff bekommen und ihre Fahrzeuge auch längerfristig auf den Markt bringen.
Wenn sie wirklich einen positiven "Business Case" aufweisen, werden sie aufgefressen. So läuft das heute. Wettbewerb ist nicht erwünscht in den großen Industrien. Zum Nachteil der Gesellschaft und der Innovation.
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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 13:19 (vor 1176 Tagen) @ Lattenknaller
bearbeitet von FourrierTrans, Samstag, 29.10.2022, 13:24
Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.
Weyer Beteiligungsgesellschaft mbH und verbundene Parteien 22,68%
Jumakos Beteiligungsgesellschaft mbH 17,04%
ZOE-VVG GmbH und verbundene Parteien 16,29%
Eigene Aktien 3,30%
Streubesitz 40,69%Die Frage könnte eventuell auch sein, ob die Automobilindustrie bereit ist, langfristige Abnahmeverpflichtungen einzugehen - oder nicht.
Meiner Ansicht nach nicht. Ich bin Angestellter in einem der größten Tier1, ein partnerschaftliches Verhältnis gibt es nicht mehr. Die deutschen OEMs pflegen seit ~10 Jahren eine Form von abnormaler Machtausübung, die am Ende zu einer Konsolidierungswelle führen wird (hat schon begonnen). Insbesondere das Tier1-Geschäft hat im Grunde keine Existenzberechtigung mehr, das zukünftige Geschäftsmodell erschließt sich mir nicht.
Auch die aktuelle Chipkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man die Bestellmengen deutlich reduziert. Als man dann nachbestellen wollte, waren andere schneller gewesen.
Korrekt, um genau zu sein, man hat sie teils vollständig abgekündigt. Und auch heute meinen die OEMs immer noch, ihre mittelfristigen Bedarfe (2-3 Monate ahead) hoch- und runterzuregulieren, wobei die Bedingungen der Halbleiterhersteller relativ klar sind: Rausgenommene und kurz darauf wieder neu eingestellte Bedarfe müssen als "neue Bestellung" betrachtet werden, ergo 50-75 Wochen Lieferzeit.Die deutschen OEMs sind desaströs schlecht geführt.
Das betrifft ja nicht nur die deutsche Automobilindustrie. Viele große Unternehmen zeigen erhebliche Planungsschwächen und eine teils haarsträubende Arroganz. Eine meiner Kunden hat verschiedene langfristige strategische wichtige IT-Projekte. Darunter für Produkte, die seit Jahren unbedingt eine Ablösung benötigen, um Geschäftsfelder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Wir haben schon vor längerem darauf als Verbund von SAP-Beratern und Entwicklern auf einen gewissen Kapazitätsbedarf hingewiesen. Im Frühjahr haben wir dann das Team aufgestockt, was eine Glanzleistung war. Denn SAP-Experten mit Erfahrung sind ungefähr so rar und begehrt wie Halbleiter. Vor 4 Monaten müssen da ein paar Controller was gerechnet haben und wollten schon einmal Kosten sparen. Die neuen Kollegen mussten also wieder raus aus dem Projekt. Kein Problem für die, habe einfach woanders weitergemacht. Nun bettelt der Kunde wieder händeringend um mehr Leute, weil die Strategie und auch die Projekte ja weiter laufen müssen.
Das gleiche Spiel wie bei Projekten der SAP, die am Jahresende aus Bilanzgründen mal eine Heerschar von externen rauswirft. Um dann kurz darauf wieder neue zu suchen. Und dann wundert man sich, wieso manche Produkte der SAP nie den Stand von Prototypen verlassen.
Aus dem Stand kenne ich noch ein paar andere Großunternehmen, die so verfahren. So kriege ich natürlich nie sauber Innovation umgesetzt. Und dann wundert man sich.
Absolut. Ich wundere mich teilweise, wie die Großkonzerne/Großunternehmen überhaupt erfolgreich sein können/wurden. Ich habe schon Merger Vorgänge mitgemacht in AGs, da wurde vor dem Closing jedem, der nicht bei drei auf dem Baum war, ein Abfindungsangebot gemacht (wohl gemerkt, ein absolut gesundes Unternehmen, mit hochgradig zukunftsfähiger Technologie). 1,5 Jahre später kamen viele dann zurück ins Unternehmen. Nach einem halben Jahr Urlaub, mit goldiger Abfindung und dann einem höheren Gehalt als zuvor. Und alles nur, um die "Braut hübsch zu machen". Der neue Eigentümer krepiert fast daran, das Unternehmen und die Gesellschaft natürlich mit. Krank.
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Cartman, Dorstfeld und Block 12, Samstag, 29.10.2022, 12:30 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans
Das hättet ich euch mit einem Blick auf die Elmos HP sparen können. Produziert wird, wie auch jetzt teilweise schon, in s.g. Founderies wie z.B. von Samsung.
Eine Dortmunder Fabrik wird zum Spielball der Weltpolitik [SZ]
FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Samstag, 29.10.2022, 10:27 (vor 1176 Tagen) @ Ulrich
https://www.sueddeutsche.de/politik/chip-fabrik-elmos-china-1.5683718
Ernüchternd. Die deutsche Autoindustrie ächzt seit 2 Jahren wegen fehlender Halbleiter, zunehmend aber auch wegen fehlender mechanischer Komponenten, und da scheint eines der wenigen Hochtechnologie-Unternehmen Dortmunds nach China abzuwandern. Zwar nicht die neueste Wafer-Technologie, dennoch enorm wichtig für viele Industriezweige, deren Bänder jetzt schon stehen, weil abhängig vom Ausland.
Elmos ist ein eher kleinerer Marktteilnehmer. Aber trotzdem frage ich mich, was das Management dort wohl treibt. Bereits vor drei Jahren hat man eine amerikanische Tochter verkauft, jetzt will man auch die Fertigung abstoßen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage der Automobil-Industrie bei weitem nicht gedeckt werden kann. Will man sich selbst filetieren?
[/b]
Gier, auf Kosten der anderen/nächsten. Prägend, für die aktuelle deutsche Führungsgeneration (ob in Politik, Wirtschaft oder Finanzadel).