schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Real: Erfolg (auch) durch Abgezocktheit (Spieltage)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Sonntag, 02.06.2024, 13:34 (vor 595 Tagen) @ Alones

Das ist sicherlich so. Nur finde ich das, was die spielen, nur schwer erträglich. Wird denen wurscht sein, weil der Erfolg ihnen freilich richtig gibt. Doch die haben quasi unbegrenzte Mittel und eiern sich da mit einem unattraktiven Scheißfußfball einen zu richtig, dass einem eigentlich nur schlecht werden kann. Gibt sicherlich auch Leute, die auf sowas stehen, doch zumindest mich holt das gar nicht ab.

Als Santiago Bernabéu sich Mitte der 50er dazu entschloss, den neu geschaffenen Europapokal der Landesmeister dazu zu nutzen, ‚sein‘ Real zur Krönung des Fußballs zu machen, schuf er ‚Das Weiße Ballett‘. Und Real dominierte diesen Wettbewerb mit dem Anspruch spielerischer Klasse und individueller Topqualität wie es nachher keinem Team mehr gelungen ist. Der Mythos Real, die Legende vom ‚Weißen Ballett‘ liegt hier begründet.

Nun waren die 50er vom Geist des Offensivfußballs geprägt, Real traf selbst in der Liga höchst selten auf eine defensiv eingestellte Mannschaft und konnte so seine Überlegenheit ausspielen. Den Catenaccio gab es zwar schon, aus der Schweiz kommend hatte er sich vor allem bei den kleinen Clubs in Italien etabliert. Dort galt er als legitimes Mittel der Kleinen gegen die Großen. Erst als Helenio Herrera diesen Spielstil beim Topclub Inter einführte und damit auch große Erfolge erzielte, änderte sich vieles, auch international für Real Madrid.

In den 60ern wurde der Fußball athletischer, schneller, taktisch geprägter. Es ging mehr und mehr nicht mehr darum, mit schönem Spiel zum Erfolg zu kommen, sondern die Spielweise auf den Erfolg auszurichten. Nicht, dass Real das nicht auch verstanden hätte, aber der eigene Anspruch blieb und es dauerte schon eine sehr lange Zeit, bis man da einen Anpassungsprozess durchlaufen hatte, der in Verbindung mit individuelle rKlasse indem 90ern wieder zum großen Erfolg führte.

Dieser große Erfolg blieb dann aber aus, als man ‚galaktisch‘ werden und mit reinem Offensivspektakel die Weltbühne des Fußballs beherrschen wollte. Unsummen wurden in die Verpflichtung internationaler Offensivstars gesteckt und im Prinzip verbrannt. Was irgendwann dann aber zu einem erneuten Umdenken führte. Die Transfers wurden wieder gezielter, auch wenn es teure Fehlgriffe wie Eden Hazard und (zumindest z.T.) Bale. Der gespielte Fußball wurde nicht nur unter Mourinho anders, Zidane und erst recht Ancelotti standen bzw. stehen für Erfolgsorientierung mittels Pragmatismus.

Ancelotti ist Italiener und durch und durch vom italienischen Fußball geprägt. In der Anwendung taktischer Mittel ist er völlig schmerzbefreit, dem Erfolg werden andere Ansprüche untergeordnet.

Man sieht es in deutlich abgeschwächter Form auch bei Guardiola oder Klopp, die nach extremen Investitionen in den Kader erst von ihrer ideologischen Einstellung abweichen mussten, um den ganz großen Erfolg mit ManCity bzw. Liverpool zu erlangen. An den Pragmatismus und die Angezocktheit eines Ancelotti reicht das sicherlich lange nicht heran, aber der Satz, dass der Erfolg die Mittel heiligt, ist auch diesen beiden nicht ganz unbekannt.

Viele Große treten bei Real nach und nach ab, auch Ancelottis Zeit wird bald zu Ende sein. Nachfolgespieler man bereits und wird sie weiter zielgerichtet verpflichten. Ein neuer Trainer wird irgendwann auch gefunden werden und dann wird sich zeigen, welchen Weg Real fußballerisch zukünftig beschreiten wird.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


1524941 Einträge in 16387 Threads, 14353 registrierte Benutzer Forumszeit: 18.01.2026, 08:24
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln