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Der Iran fordert Verlegung seiner WM-Partien nach Mexiko (Fußball und Sport allgemein)

bobschulz, MS, Dienstag, 17.03.2026, 14:54 (vor 1 Stunden, 46 Minuten) @ uwelito
bearbeitet von bobschulz, Dienstag, 17.03.2026, 14:59

Die bessere Lösung wäre es, den Iran für ihre Verbrechen an der eigenen Bevölkerung auszuschließen. Aus Irans Perspektive wundert mich dann eher, dass sie das Turnier nicht boykottieren.


Man sollte in solchen Fällen auch immer betrachten, wen man auf individueller Ebene ausschliesst. Meine persönlichen Erfahrungen mit iranischen Sportlern haben gezeigt, dass die meisten von denen das System total ablehnen und (im positiven Sinne) eher westlich eingestellt sind. Regimetreue findet man verstärkt erst ab einer gewissen Führungsebene. Sanktionierst du, inszenieren sich solche Regime gekonnt als Opfer. Ein Dilemma.


Gerade im Iran scheinen die Sportlerinnen und Sportler wohl in der Tat bei weitem nicht so gleichgeschaltet wie z.B. in Russland zu sein. Das könnte u.a. auch daran liegen, dass sich das System nicht so sehr für Sport interessiert (hat). Russland hingegen führt die alten Ostblock-Traditionen fort. Dort waren und sind Sportlerinnen und Sportler auch auf das System eingeschworen.


Ich war mal 2003 oder 2004 in Teheran und habe dort für die World Taekwondo Federation einen Kurs geleitet, für internationale Kampfrichter. Das war ne massive Veranstaltung mit mehr als 150 Teilnehmern, fast alle aus dem Iran. Zum ersten mal erhielt auch eine kleine Gruppe von ca. 20 jungen Frauen die Möglichkeit, sich zur internationalen Kampfrichtererin ausbilden zu lassen, was bis zuletzt einige Hardliner zu verhindern versucht hatten. Im praktischen Teil viel mir die Aufgabe zu, diese jungen Frauen auszubilden. Nun wurde es mir aber verboten, diese Frauen direkt anzusprechen. Kontrolliert wurde das Ganze von einer ganzen Reihe von schwarz verschleierten scharfäugigen Wächterinnen. Um eine direkte Ansprache zu verhindern, wurde mir eine griechische Zypriotin an die Seite gestellt, die auch an dem Kurs teilnahm, eine Christin. Strikt nur ihr zugewendet musste ich nun alle auf Englisch gegebenen praktischen Anweisungen an sie richten, damit sie diese Anweisungen im exakt gleichen Wortlaut auf Englisch an die Iranerinnen gerichtet noch einmal wiederholen konnte. Eine absurde Situation, die aufgrund der Dynamik einer solchen Praxisveranstaltung natürlich nicht konsequent durchzuhalten war. Das nahm irgendwann chaotische Züge an, weil sich die jungen Frauen, die alle hervorragend Englisch sprachen, mit Nachfragen immer wieder direkt an mich gewendet haben, ohne auf die Wiederholung zu warten. Sofort wurden sie von den Wächterinnen zur Ordnung gerufen und wohl auch mit Ausschluss bedroht. Irgendwann dachte ich wirklich, hier kommst du nicht mehr heil raus. Wenn man Sanktionen fordert, sollte man immer daran denken, dass man auch solche Menschen mit bestraft.

War 2008 zu einem internationalen Futsal-Turnier in Teheran. Eigentlich sollte es auf einer Insel stattfinden, meine Kish. Die sollte etwas freizügiger als der Rest des Iran sein. Sind wir aber dann doch nicht hingekommen, waren halt in Teheran. Der Eindruck war so, dass wir immer eine Eskorte als Aufsicht dabei hatten, wenn wir außerhalb des Hotelgeländes bzw der Sporthalle unterwegs waren. Einen Abend waren wir mit allen Teams essen und der Ehrengast war Irans Nationalheld, der WM-Torwart, der den Sieg gegen die Amis festgehalten hatte. Er hätte uns auch Alkohol besorgen können- sagte er, ausprobieren wollten wir es nicht.
Es gab schon damals Frauen, die sich trauten Auto zu fahren ohne Kopftuch, aber sehr wenige. Fand die Leute mit denen ich in Kontakt kam- waren nicht besonders viele, aber ein paar schon- sehr freundlich und zuvorkommend. Wünsche dem iranischen Volk dass es irgendwie die Kraft findet sich von sämtlichen religiösen Herrschern zu befreien, aber leider sind die Revolutionsgarden noch immer sehr mächtig. Ob Trump ein geeigneter Befreier ist würde ich bezweifeln, da er keinen Plan hat, wie es jetzt dort weitergehen soll. Nur hat den leider keiner und ein "weiter so" wäre auch fatal. EIne Sch...-Situation mit einer unterdrückenden Regierung und einem Volk welches immer wieder versucht sich von ihr zu befreien.
Hatte auch schon damals das Gefühl, das Volk unterstützt die Regierung eher nicht und versuchte damals größtenteils nicht aufzufallen, fast niemand stand hinter der Regierungslinie.


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