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Mentalität und Motivation der Spieler - Grundkomplex (BVB)

SebWagn, HH Harvestehude, Montag, 04.09.2023, 13:56 (vor 905 Tagen) @ Redaktion schwatzgelb.de
bearbeitet von SebWagn, Montag, 04.09.2023, 14:06

Ein komplexes Thema, aber ein Kernproblem, welches zu lange unbeachtet war und bei der Kaderzusammenstellung nie berücksichtig wurde und mit dazu führt, dass nachhaltig keine Erfolge eintreten oder immer die selben Muster auftreten.

Was motiviert eigentlich Spieler ein Spiel zu gewinnen?
(Dank hier noch @DomJay mit dem Stichwort "intrinsisch", etwas das mich schon früher beschäftige)

Intrinsische Motivation:

Intrinsische Motivation: Hier handelt jemand aus einem inneren Antrieb heraus, weil er Freude, Interesse oder Leidenschaft für eine Tätigkeit empfindet. Das Handeln selbst ist belohnend, ohne dass äußere Anreize benötigt werden

Ein Softwareentwickler, der hauptsächlich durch intrinsische Motivation getrieben wird, hat eine tief verwurzelte Leidenschaft für das Programmieren, seinen Beruf und die Problemlösung. Seine Motivation entsteht aus dem inneren Verlangen, Neues zu schaffen, seine Fähigkeiten zu verbessern und sich Herausforderungen zu stellen. Selbst wenn er keine äußeren Belohnungen dafür erhält, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin programmieren und lernen, einfach aus innerem Antrieb, Freude und persönlichem Interesse an der Sache.

Ein Fußballer spielt und trainiert, weil er die reine Liebe und Leidenschaft für den Sport in sich trägt. Das Gefühl, den Ball zu kontrollieren, mit Teamkollegen zusammenzuspielen und Strategien auf dem Platz umzusetzen, erfüllt ihn. Er würde auch spielen und sich verbessern wollen, wenn es keine Zuschauer, keinen Ruhm und kein Geld gäbe.

Beispiel 1: Ein Spieler, der nach dem offiziellen Training auf dem Platz bleibt, um Freistöße/Ecken zu üben, einfach weil er die Herausforderung genießt, sich stetig bis quasi zur Perfektion verbessern will und das Gefühl liebt, wenn er den Ball perfekt trifft. Ein Spieler, der nach dem Training oder in der Freizeit/Urlaub Techniken übt, nicht weil der Trainer es ihm sagt, sondern weil er spürt und sich selbst reflektiert, dass er in diesem Bereich besser werden muss, das Gefühl liebt, Fortschritte zu machen um besser zu werden.

Beispiel 2: Ein Profispieler, der in den unteren Ligen spielt, ohne Notwendigkeit für finanzielle Belohnungen oder mediale Aufmerksamkeit, einfach weil er den Sport und den Wettkampf liebt.

Beispiel 3: Ein Spieler, der in einem Freundschaftsspiel genauso intensiv spielt wie in einem wichtigen Ligaspiel, einfach weil er diesen inneren Antrieb hat, jedes Spiel zu gewinnen, unabhängig vom Kontext.


Extrinsische Motivation:

Extrinsische Motivation: Hier handelt jemand aufgrund äußerer Anreize, die oft persönliche oder egoistische Vorteile bieten. Der Hauptantrieb ist das Streben nach Belohnungen wie Geld, Ruhm oder individueller Anerkennung

Ein Softwareentwickler, der hauptsächlich von extrinsischer Motivation angetrieben wird, arbeitet primär aufgrund äußerer Belohnungen und Anreize, wie im Mittelpunkt zu stehen. Dies können des weiteren Gehalt, Boni, Beförderungen, Anerkennung oder Status sein. Wenn dieser Entwickler das Gefühl bekommt, dass er bereits ausreichend Geld verdient, eine gewünschte Position erreicht hat oder genügend Ruhm und Anerkennung genießt, lässt seine Motivation, hart zu arbeiten, sich weiterzubilden, nach. Ohne neue oder fortgesetzte extrinsische Anreize lässt sein Antrieb nach, über das geforderte Maß hinaus zu gehen, die Leistungen zu bestätigen oder sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Ein Fußballer ist hauptsächlich motiviert durch äußere Anreize, wie Gehalt, Sponsorenverträge, Medienruhm oder den Druck, durch Leistung seinen Platz im Team zu sichern. Die Motivation und der Antrieb das Niveau zu halten lässt nach sobald er diese Sicherheit hat

Beispiel 1: Ein Spieler, der besonders hart trainiert oder sich auf dem Platz mehr anstrengt, wenn Scouts / Agenten zuschauen, in der Hoffnung, einen lukrativen Vertrag zu erhalten oder einen schwankenden Vorstand von eine VVL zu überzeugen. Sollte er diese Zeile erreichen, ist seine Motivation danach befriedigt und erst bei solch einer erneuten Phase wird die Motivation wieder hoch sein

Beispiel 2: Ein Spieler, der sich besonders ins Zeug legt, weil er für jedes erzielte Tor einen Bonus bekommt oder weil er den Erwartungen seiner Fans, Familie oder des Trainers gerecht werden will. Ihm ist es nicht unbedingt wichtig Titel mit der Mannschaft zu gewinnen, wenn er z.B. als Spieler mit den meisten Toren Boni und persönliche Titel erhält

Klar, viele Spieler in den Ligen bei den tausenden von Vereinen sind sicherlich beides – sowohl intrinsisch als auch extrinsisch motiviert aber variieren die Verhältnisse je nach individueller Persönlichkeit und Umstand jedoch.

Wie weit hängt das nun alles zusammen und wie wichtig ist intrinsischen Motivation um immer und permanent am maximum zu spielen / zu trainieren?

Es ist theoretisch möglich, dass ein, mal weiter gefasst, Leistungssportler erfolgreich ist, auch wenn seine primäre Motivation extrinsisch ist, z.B. durch finanzielle Sicherheit bzw. Anreize, oder dem Wunsch nach Ruhm. Tatsächlich können solche Anreize eine starke treibende Kraft für einige Athleten sein, besonders in im Fußball, der hohe finanzielle Belohnungen oder mediale Aufmerksamkeit bietet, tlw. in sehr kurzer Zeit.

Dennoch neigen Athleten mit einer starken intrinsischen Motivation dazu, besser mit Herausforderungen und Rückschlägen umzugehen, da sie oft eine tiefere Leidenschaft und Liebe für ihre Sportart haben. Intrinsische Motivation führt normalerweise auch zu langanhaltender Ausdauer, höherer Konzentration und einem stärkeren Wunsch nach kontinuierlicher Verbesserung, tlw. über das Maximum hinaus.

Das Problem, wenn nun ein Team aus überwiegend Spielern mit extrinsischer Motivation besteht, dass Spieler mit intrinsischer Motivation in ihrer Leistung und ihrem Engagement beeinflusst werden. Warum ist das so?

Wertekonflikt: Spieler mit intrinsischer Motivation fühlen sich frustriert und tlw. isoliert , wenn sie das Gefühl entwickeln, dass ihre Teamkollegen nicht dasselbe Engagement, dieselbe Leidenschaft oder den Willen für das Spiel haben und jedes Spiel gewinnen zu wollen.
Dies führt auch zu Konflikten auf als auch außerhalb des Spielfelds.[/b]

Ansteckende Mentalität: Wenn die Mehrheit der Spieler hauptsächlich von äußeren Belohnungen (z.B. Gehalt, Selbstzufriedenheit durch finanzielle Sicherheit, Medienpräsenz) motiviert wird und ihr Engagement und ihre Leistung nachlässt, sobald diese Belohnungen gesichert sind, entspring daraus eine allgemeine Atmosphäre der Zufriedenheit oder gar des Minimalismus. Spieler, die intrinsisch motiviert sind und den Sport aus Leidenschaft spielen, werden durch diese Mentalität demotiviert und verzweifeln, was mit sichtbarer Unzufriedenheit einhergeht

Jetzt auch noch speziell die Frage und ein Erklärungsansatz, warum man dann in wichtigen Spielen, wo man davon ausgehen müsste, das beide motivierte Charaktere innerhalb eines Teams ja quasi das selbe Ziel haben nicht zum Erfolg kommt, wie z.B. gegen Mainz im Mai

Spieler mit extrinsischer Motivation erleben in bestimmten Situationen, wie einem Rückstand im Spiel, einen Motivationsabfall. Wohl einer der Hauptgründe dafür ist

Selbstschutz:
Spieler, die extrinsisch motiviert sind, reduzieren ihr Engagement im Spiel, wenn sie zurückliegen, um sich vor Kritik oder Enttäuschung zu schützen. Mit anderen Worten: Wenn sie das Gefühl haben, dass sie sowieso verlieren werden, Führungen verspielen können, oder einen Rückstand nicht mehr drehen können, beginnen damit sich hängenzulassen, sich zurückziehen, um sich selbst zu schützen ("Ich habe nicht wirklich versucht, also zählt das nicht wirklich als Niederlage für mich")


Mit Blick auf den BVB, sollte dieses Thema klar diskutiert werden,
was schon lange in der Kaderplanung unberücksichtigt blieb


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