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Dauerregen und Warnung vor Hochwasser in Teilen Bayerns (Sonstiges)

Ulrich, Dienstag, 04.06.2024, 09:12 (vor 596 Tagen) @ Lattenknaller

Meine Beobachtung:
Es gibt doch überhaupt keinen gesellschaftlichen Konsens darüber, welche Maßnahmen die richtigen sind, damit Deutschland seinen Beitrag in Sachen Klimaschutz, Umweltschutz , Naturschutz tragen soll (die beiden letztgenannten werden ja immer unterschlagen).
Eine Mehrheit ist ja in Umfragen immer dafür.
Ich sehe jetzt auch keine politischen Akteure, die dieses Dilemma auflösen können .

Und wenn der Expertenrat u.a. vom Bausektor mehr Anstrengungen einfordert, sprich Bauen weiter zu verteuern, dann übt das ja noch mehr Druck auf die Mieten aus als ohnehin schon.

Wer hat hier Lösungen ?


Es gibt einen wissenschaftlichen Konsens. Die Maßnahmen werden seit Jahrzehnten und Jahren an die Politik und Gesellschaft herangetragen. Nur von beiden massiv verdrängt. Und ich schlage hier bewußt nicht auf die Politik ein, dass sind v.a. weite Teile der Gesellschaft die hier die berühmten Affen spielen.

Und es gab in der letzten Legislaturperiode einen weite Teile der deutschen Politik umfassenden grundsätzlichen Konsens, was die Reduktion des CO2-Ausstoßes angeht. Das mittlerweile leider deutlich verwässerte Klimaschutzgesetz galt als vorbildlich, im Heizungsgesetz hatten CDU, CSU und SPD schärfere Regelungen für das Ende von mit fossilen Energieträgern betriebenen Heizungen festgelegt, als die jetzige Ampelkoalition.

Was man aber grundsätzlich vernachlässigt hatte, das war in den Sektoren Gebäude und Verkehr die Frage, wie man diese Ziele erreichen wollte. Hier gab es keinerlei Vorgaben. Das dürfte auch an den beiden verantwortlichen Ministern Horst Seehofer und Andreas Scheuer gelegen haben. Sowohl die Heizungshersteller als auch die Heizungsmonteure waren deshalb vielfach weitgehend unvorbereitet. Während in anderen Staaten etwa in Skandinavien oder auch in Teilen von Osteuropa die Wärmepumpe schon länger dabei war, die Öl- oder Gasheizungen zu verdrängen, gab es in Deutschland nur wenig Erfahrung. 2022 gab es eine größere Umfrage bei den Heizungs- und Sanitärbetrieben. Drei Viertel waren da nicht in der Lage, eine Wärmepumpe einzubauen. Und das, obwohl nach alter Rechtslage das Ende der fossilen Heizungen recht nahe war.

Die FDP war nie Teil des Konsenses. Hier laufen einige wirklich irre Leute herum. Der Leugner des von Menschen verursachten Klimawandels Frank Schäffler ist nur ein Beispiel. Als das Wirtschaftsministerium einen schlecht gemachten Entwurf für ein neues Heizungsgesetz vorlegte, witterte man die Chance, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen komplett zu torpedieren. Eine sehr ungute Rolle spielte und spielt hier u.a. auch Wolfgang Kubicki.

Aber auch CDU und CSU nutzten die Gelegenheit, die Regierung unter Druck zu setzen. Es machten absolute Horrorszenarien die Runde, was denn der Einbau einer Wärmepumpe kosten würde. 100.000 Euro, 200.000 Euro, 250.000 Euro, "Wer bietet mehr?" Unterstützt wurde diese Kampagne vor allem von den Springer-Medien, hier in vorderster Front die Bild.

Zudem haben sich CDU, CSU und FDP seit geraumer Zeit den Kampf gegen das "Verbrenner-Aus" im Jahr 2035 auf die Fahnen geschrieben. Ein "Verbrenner-Aus", das es so übrigens gar nicht gibt. Gebrauchtfahrzeuge dürfen auch danach weiter betrieben, gekauft und verkauft werden. Sogar Neufahrzeuge können weiter auf den Markt gebracht werden, wenn sie ausschließlich mit eFuels betrieben werden können. Das Problem dürften aber die Betriebskosten sein. 2027 werden auch der Verkehrs- und der Gebäudesektor Teil des europäischen Zertifikate-Handels. Wer dann Diesel oder Benzin auf den Markt bringen will, braucht dafür entsprechende CO2-Zertifikate. Die aber sind gedeckelt, und die Anzahl wird dann Jahr für Jahr weiter reduziert. Zwar gibt es eine kleine Hintertür, gegebenenfalls kann der Start auf 2028 verschoben werden, falls 2027 die Preise für fossile Energieträger zu hoch sind. Und zudem könnte die EU zum Start zusätzliche Zertifikate ausgeben, damit die Mangelsituation zum Start nicht zu groß wird. Aber der grundsätzliche Mechanismus bleibt bestehen.

Seit geraumer Zeit macht die Akku-Technik riesige Fortschritte. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von unterschiedlichen Akkus, die Hersteller haben die Wahl, ob sie es "billig" haben wollen oder ob sie Typen mit hoher Leistungsdichte verbauen. Auch die Ladezeiten werden immer kürzer, mittlerweile gibt es Fahrzeuge, bei denen man -wenn man möchte- in fünf Minuten elektrische Energie für über 100 Kilometer laden kann. Und das dürfte bei weitem nicht das Ende der Entwicklung sein. In ein paar Jahren werden im oberen Preissegment Elektroautos auf dem Markt sein, die von der Reichweite an 1000 Kilometer heran kommen, und die man dann extrem schnell wieder aufladen kann. Im unteren Preissegment dürften Fahrzeug kommen, die günstiger als die Gegenstücke mit Verbrennungsmotor sind. In dieser Situation langfristig weiter auf den Verbrennungsmotor zu setzen, wirkt irgendwie irre. Auch in der deutschen Automobilindustrie stellt aktuell nur eine Minderheit der Manager den Umstieg auf Elektromobilität grundsätzlich in Frage.

Robert Habeck hatte vor einiger Zeit verkündet, dass Deutschland bei der Einhaltung der Klimaziele bis 2030 trotzdem auf Kurs sei. Das ist aber nicht richtig.

Gutachten des Klima-Expertenrats - Der Kampf um die klimapolitische Glaubwürdigkeit (Klimareporter)

"Mit seiner Story, dank der Ampel-Politik sei die Lücke bei der CO2-Reduktion 2030 geschlossen, hat Wirtschaftsminister Habeck der Glaubwürdigkeit von Klimawissenschaft schwer geschadet. Der Expertenrat für Klimafragen hat diese jetzt wiederhergestellt. Nun ist die Politik wieder am Zuge."

Nicht nur Scholz, auch Habeck stand vor der Wahl, entweder den Klimaschutz zu verwässern oder das Platzen der Ampelkoalition zu riskieren. Beide haben sich gegen den Klimaschutz und für das Weiterregieren entschieden.


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