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Werder Bremen stellt Steffen frei (Fußball und Sport allgemein)

Will Kane, Biosphärenreservat Bliesgau, Sonntag, 01.02.2026, 17:45 (vor 12 Stunden, 49 Minuten) @ Micha

Ich hatte gehofft, Werder würde einen längeren Atem beweisen um etwas zu entwickeln.
Der Fußball der Bremer sah in meinen Augen eigentlich gut aus, ihnen fehlt "nur" ein guter Knipser vorne drin.

Davon ab mag ich den Typ Steffen und ich hatte gehofft er könnte mit den Bremer eine ähnliche Underdog Story schreiben wie im Elversberg.

In Elversberg hatte man es verstanden in Relation zu den Möglichkeiten einen funktionierenden Unterbau (Nachwuchsarbeit, Scouting, etc.) aufzubauen. Auch wenn immer wieder fähige Mitarbeiter z.B von den Hoffenheimern abgeworben wurden, konnte man dies immer wieder kompensieren. Als Regionalligist war man gut aufgestellt; Ziel war es in die 3. Liga aufzusteigen und sich dort zu etablieren. Einmal gelang der Aufstieg; man musste nach einer Saison aber gleich wieder in die vierte Liga. Kernproblem war, dass man es mit bundeligaerfahrenen Trainer versuchte (z.B Wiesinger), die aber nur für sehr kurzfristige Erfolge sorgen konnten.

Nach eingehender Analyse (und auch einem Generationenwechsel in der Chefetage) wandte man sich vom Versuch des schnellen Erfolges ab und setzte auf mittel- und langfristige Entwicklung, wie man es in Heidenheim getan hat. In der Konsequenz holte man mit Horst Steffen einen unbekannten Trainer mit viel Erfahrung in der Nachwuchsarbeit, der im Erwachsenenbereich bis dato keine große Fortune hatte. Aber man war davon überzeugt, in ihm den richtigen Mann für die Entwicklung einer Mannschaft gefunden zu haben.

Entscheidend war zudem, das man sich konsequenterweise auch im Bereich der sportlichen Leitung veränderte und mit dem Newcomer Nils-Ole Book genau den richtigen Mann für die Aufgabe gefunden hat, der nicht nur, aber insbesondere den Bereich Scouting noch einmal um einiges optimierte.

Der Erfolg setzte dann aber nicht über Nacht ein. Horst Steffens fußballerisches Konzept ist für die unteren Klassen schon eher ungewöhnlich und eine Mannschaft fußballerisch ‚umzupolen‘ ist eine mitunter sehr ambitionierte Aufgabe. Genauso wie die erforderliche Veränderung des Kaders bei gleichzeitig sehr überschaubarem Budget. Aber Steffen und Book bekamen die notwendige Zeit; sie arbeiteten zielstrebig und systematisch und immer mit Vertrauen in die einzelnen Spieler und die Mannschaft. Bis der Aufstieg dann (am Ende dann doch relativ zügig) gelang.

Und dann marschierte man durch, weil man auf dem eingeschlagenen Weg blieb, keine Flausen im Kopf hatte und so kaum Fehler machte, keinen Druck hatte.

Als man dann fast sogar noch in die Bundesliga aufgestiegen war, kam das Angebot von Werder für Steffen und er sagte zu. Zu groß wohl der Reiz der Bundesliga, des Traditionsclubs, des Geldes. In Elversberg hätte er ein zweiter Frank Schmidt werden können; Book war da hinsichtlich diverser Angebote zurückhaltender. Irgendwann wird er auch gehen, aber seine Clubwahl wird mAn mit mehr Bedacht geschehen.

Bei Werder hat man chronisch kein Geld, die großen Zeiten liegen 15 Jahre zurück. Der (vermeidbare) Abstieg hat trotz sofortigem Wiederaufstieg einiges an Substanz gekostet und Corona hat dann auch noch einmal kräftig ins Kontor geschlagen. Trainer Ole Werner hat die Bremer trotz unausgewogenem und qualitativ nicht gerade starkem Kader die Liga erhalten, hat aber auch immer mal wieder die mangelnde Qualität im Kader moniert. Aber Werder kann sich Qualität nicht kaufen und clevere Transfers à la Book in Elversberg beherrscht man auch nicht. Jedenfalls die aktuelle sportliche Leitung nicht.

So kam man auf die Idee, am SC Freiburg orientiert zukünftig verstärkt eigene Talente verstärkt in den Profikader entwickeln zu wollen und bei den Neuvwepdlichtungen auf junge Talente zu setzen. Dazu benötigte man einen Trainer, der eine Mannschaft entsprechend entwickeln will und kann. So holte man Horst Steffen, der zudem nicht zu den teuersten seiner Zunft zählt. Nur hat man mit Ducksch den torhefährlichsten Spieler abgegeben und nullkommanull ersetzen können. Am schwersten wiegt allerdings der langfristige verletzungsbedingte Ausfall Weisers, des eigentlichen Spielmachers und hauptsächlichen Chancenkreateurs des Teams. Auch er wurde nicht annähernd ersetzt.

Anfangs funktionierte das Spiel Werders noch ganz ordentlich, trotz der Handicaps. Die Defensive wurde durch verletzungsbedingte Ausfälle geschwächt, was Steffen noch ganz gut auffangen konnte. Aber nach vorne ging nicht viel und ganz vorne immer weniger bis letztlich gar nichts. Es wurde zwar bis ins Angriffsdrittel schon besser, aber im Sechzehner passierte weiterhin nichts.

In der Bremer Chefetage hat man viel von Entwicklung und jungen Spielern und Freiburg gesprochen. Dass Freiburg mit seinem Modell Jahrzehnte Vorsprung hat und Entwicklung bestimmte Voraussetzungen braucht (die Werder nicht gewährleistet hat (oder gewährleisten kann), scheint man geflissentlich verdrängt zu haben. Aber etwas ketzerisch gefragt, was will man schon erwarten von einer Führungscrew, die sich von ‚transfermarkt.de‘ die Anzahl möglicher Leihen erläutern lassen muss…

Clemens Fritz steht selbst stark unter Beschuss. Jetzt den Trainer freizustellen muss man auch als Maßnahme verstehen, sich selbst als handlungsfähigen Akteur darzustellen. Es werden nach dem Spiel gegen Bayern Gegner kommen, gegen die man punkten kann (und auch muss), ob nun mit Steffen oder seinem Nachfolger. Die Klasse wird man wohl erhalten, aber die Flickschusterei wird weitergehen. Leider.


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