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Klopp wirklich großartig (Fußball und Sport allgemein)

Pfostentreffer, Freitag, 18.09.2026, 10:32 (vor 5 Stunden, 37 Minuten) @ Scherben

Er äußert sich auf der PK absolut stabil und erreicht damit sofort, dass die AFD Spacken im Strahl kotzen und man versucht hier, das wieder in einen negativen Kontext bezüglich RB / Mateschitz zu rücken.


Es gehört halt dazu.

Die Zeiten sind vorbei glaube ich. Im Gegenteil sehen wir viele, die sich nicht mehr trauen antifaschistisches zu sagen oder sich für die Hilfe anderer Menschen einsetzen, weil es längst zu viele gibt, die von den Rechten dafür harte Konsequenzen einstecken mussten, bishin zu Gefängnis und körperlicher Gewalt. Von Nagelsmann habe ich auch nix ähnliches in der Position als Bundestrainer vernommen (was nicht bedeutet, dass es das nicht gegeben hat, ich habe Nagelsmann schlicht keine Aufmerksamkeit zugestanden)

Auf mir wirkt ein solches Statement nicht rundheraus ehrlich, wenn man selbst für genau die Leute gearbeitet hat, die für einen guten Teil des Rechtsruck im deutschsprachigen Raum verantwortlich sind. (Und übrigens offenbar auch weiterhin als Model tätig ist, wenn ich mir nur den Sports-Illustrated-Titel von vor einigen Wochen ansehe.)

Das ist sehr verständlich und wahrscheinlich auch logisch. Wobei ich grossen Teil (zumindest für Deutschland) etwas übertrieben finde, da sind eindeutig Akteuere im Spiel, die einen deutlich grösseren Anteil haben als RB. Aber jeder Anteil ist Anteil genug und entsprechend war Klopps Move zu RB komplett für die Tonne.

Es wird aber schwierig, wenn wir nur die akzeptieren, die noch nie in ihrem Leben einen Fehltritt gemacht haben. Dann werden die Linien ziemlich lichter und jeder mit dem kleinsten Fehltritt fühlt sich zurück gewiesen, während auf der anderen Seite diese Fehltritte geradezu abgefeiert werden, je schlimmere Konsequenzen für andere Menschen umso besser. Was dann doppelt attraktiv wird.

Das bedeutet nicht, dass wir diese Dinge nicht ansprechen müssen, ganz im Gegenteil. Aber den Leuten, die glaubwürdig sozial und antifaschistisch sind, muss man auch mal einen Fehltritt zugestehen.

Wo Klopp sich m.E. ehrlich machen müsste, wäre genau das zu adressieren.

Genau das. Ich bin zwischen euch beiden, ich finde es gut das er sich geäussert hat und finde auch -trotz der RB Sache- ist er nach wie vor ein guter Botschafter des positiven sozialen Miteinanders und des Antifaschismus, auch wenn er an Glaubwürdigkeit verloren hat.

Aber hier hat er im Prinzip eine Chance liegen gelassen: Wenn Leute sich einmal für den Weg entschieden haben, offen rassistisch / diskrimierend / faschistisch zu werden, ist es wahnsinng schwer, sie zurückzuholen, weil durch die ständigen falschen Narrative die sie bei Welt oder Twitter den ganzen Tag in ihr Gehirn geballert bekommen, sie ständig die Bestätigung der falschen Vorurteile bekommen.

Zudem müssten sie ja jetzt den ganzen Quatsch liegen lassen, was sie die letzten Jahre in ihrem Umfeld so propagiert haben und zugeben, dass es alles Bullshit ist.

Das ist ein Risenschritt, den man gar nicht unterschätzen kann. Letztes Mal war ein Weltkrieg und 50 Millionen Tote notwendig, bis die Leute sich (gezwungenermassen) dazu durchgerungen haben.

Genau dafür hat Klopp aber einen Hebel, der bei dem Punkt ins Spiel kommt: Er hätte noch ergänzen können, dass er sich selbst von den attraktiven inhaltlichen und ökonmischen Möglichkeiten hat blenden lassen und es ein Fehler war. Aber jeder kann Fehler machen und trotzdem auf den richtigen Pfad zurückkehren. Damit schafft er das Angebot für andere Menschen, dass ebenfalls zuzuzugeben. In dem Sinn bin ich voll bei deiner Kritik, da hätte er mehr rausholen können.

Andererseits ist das wahrscheinlich zu viel verlangt von einem Fussballtrainer, wenn selbst viele Intellektuelle so etwas nicht hinbekommen.

Sein alter Job war auch politisch, eben weil er für dieses Imperium mit diesem politischen Hintergrund tätig war. Das mag sich auf einer inhaltlichen Ebene anders angefühlt haben, aber trotzdem ist so ein kluger Mensch wie er zu dieser Selbstreflektion imstande. Dass sie gestern nicht gekommen ist, ist in diesem Kontext dann auch etwas enttäuschend und (im Wortsinne) bemerkenswert.

Enttäuschend weiss ich nicht, das hängt immer von den eigenen Erwartungen ab, bemerksenwert aber definitiv. Aber vielleicht kommt es ja noch in den nächsten Monaten, wer weiss.


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