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Union möchte öffentlichen Rundfunk abschaffen (Sonstiges)

Voomy, Berlin, Mittwoch, 16.12.2020, 13:37 (vor 1848 Tagen) @ BoisII

Ich versuche mal nach besten Wissen und Gewissen zu antworten. Dass das alles nur meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke sind ist sicher klar, es gibt bestimmte auch Leute beim ÖR die viele Dinge auf die eine oder andere Weise anders sehen:

- Ein Problem sind ja die Pensionsansprüche. Würde es nicht Sinn machen, diese abzuspalten und abzuschreiben, um zum einen auf einem annehmbareren Level weiter zu machen und auch diese Ausrede wegzunehmen? Wenn man klar sagt, dass dort Fehler passiert sind und es über Steuern bezahlen würde, wäre es außerdem gerechter, da bei Steuern ja das Einkommen etc. berücksichtigt wird.

Da habe ich leider keine Ahnung von - von der ganzen Materie nicht. Ich weiß nicht ob und wie das funktionieren und ob das fair wäre. Allerdings sind die Pensions- und Altersansprüche definitiv ein Problem und liegen auf der ganzen ÖR-Debatte wie ein großer Schleier. 'Irgendwas' sollte in jedem Fall getan werden.

- Könnte man nicht die Bezahlung z.B. an TV-L anpassen? Es kann doch nicht sein, dass da ein System selbst die eigenen Gehälter festlegen kann. Ein Intendant würde dann eben so viel wie ein Universitätsrektor bekommen. Ich verstehe auch nicht, warum man mit so vielen Freiberuflern arbeiten muss. Oder auch, warum man Produktionen dann nicht selbst macht, sondern bei irgendwelchen "Subunternehmen", sodass man am Ende nicht mal volle Rechte hat, obwohl man es komplett bezahlt hat.

Der Umstieg auf die Masse an Freiberuflern war ja eine Konsequenz aus dem Pensions- und Anspruchsdesaster. Du wirst beim ÖR als Freiberufler nicht gut bezahlt, aber solide. Dazu kommt halt die logische Flexibilität, die nur dann zu bezahlen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Dazu kommt, dass der ÖR in den vergangenen Jahren einfach sein Spektrum so erweitert hat, dass du immer mehr "Spezialisten" brauchst und weniger festes Personal, das du nur in einem Bruchteil der Szenarien einsetzen kannst. Die Anpassung an TV-L für Festangestellte des ÖR - puh. Ich entscheide ungerne über die Gehälter von anderen Leuten. :)

- Exorbitante Summen für "Experten" oder "Starmoderatoren" verstehe ich auch nicht. Ich weiß nicht, wo sowas nötig sein muss. Ich finde im Übrigen auch, dass die prominenten Moderatoren häufiger wechseln müssten. Wäre es für eine pluralistische Meinungsbildung nicht gut, wenn die "prominenten" Talkshows nicht immer nur von den gleichen vier Personen gemacht werden würden? Subjektive Meinung kommt ja immer durch.

Sicher, das wäre ein mögliches Szenario. Es ist aber schon so, dass man auch beim ÖR auf Zuschauerbindung setzt. Das Gesicht von Wolf Blitzer ist z.B. untrennbar mit CNN verbunden und jeder dort drüben weiß das. Sowas hätte man wohl auch gerne im ÖR. Dazu kommt der Pull-Faktor: Leute, die eine Sendung mit Lanz einschalten, weil Lanz da ist und nicht weil die Sendung für sie interessant klingt. Anne Will gilt als sehr reputabel, sowohl für Gäste als auch Zuschauer. Ich denke es wird eher aus dieser Blickwarte betrachtet.

- Ein Problem sehe ich außerdem darin, dass man nicht eine ernsthafte Debatte über den Begriff der Grundversorgung im Zeitalter der Streaminganbieter führt. Muss der Begriff heutzutage noch genauso ausgelegt werden, wie damals als das BVG entschieden hat? Ist nicht Unterhaltung mittlerweile so weit verfügbar, dass das jeder nach Belieben für sich selbst gestalten kann? Gleiches gilt für die teuren Sportrechte.

Ich denke eine Debatte über Grundversorgung und Rundfunkstaatsvertrag ist in jedem Fall nötig und somit auch eine Anpassung des ÖR auf das 21. Jahrhundert unter dem Eindruck des Internets. Das wird aber mehr von Außen als von Innen verhindert. Die Leute im ÖR würden gerne sehr viel mehr mit den heutigen Möglichkeiten arbeiten als vom Rundfunkstaatsvertrag dazu gezwungen zu werden, bestimmte Formate und Inhalte weiter so zu unterhalten.

- Die Programmgestaltung finde ich auch sehr bimodal: Es gibt sehr viel für Kinder und dann wieder sehr viel für "ältere" Menschen. Für die 15-45 Jährigen wird meiner Meinung nach extrem wenig geboten. Klar gibt es Dokumentationen etc., aber ich beziehe mich hier eher auf den Unterhaltungspart.

Dafür bin ich nicht genug im Marketing. Nach meiner absolut persönlichen Einschätzung hat man es in den letzten Jahren durchaus geschafft, die 15-20 Jährigen mit bspw. FUNK stärker zu binden, es schalten eine Menge der 20-35 Jährigen Sendungen wie Bares für Rares ein. Wie gesagt, da habe ich einen anderen Eindruck, empirisch belegen könnte ich den aber nicht.


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