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Eine Dortmunder Fabrik wird zum Spielball der Weltpolitik [SZ] (Sonstiges)

Lattenknaller, Madrid, Samstag, 29.10.2022, 13:06 (vor 1176 Tagen) @ FourrierTrans

Ich weiß nicht genau, wie da die Gesellschafter-/Eigentümerstruktur aussieht. Aber im Zweifel ist das der Handvoll Leuten scheissegal. Verkaufen, auf den 100 Mio. Euro Eigentum steuerbereinigt noch einmal 200 Mio. Euro draufpacken, ciao bella. Hat die deutsche Industrie in den vergangenen 10 Jahren doch durchgehend erlebt.


Weyer Beteiligungsgesellschaft mbH und verbundene Parteien 22,68%
Jumakos Beteiligungsgesellschaft mbH 17,04%
ZOE-VVG GmbH und verbundene Parteien 16,29%
Eigene Aktien 3,30%
Streubesitz 40,69%

Die Frage könnte eventuell auch sein, ob die Automobilindustrie bereit ist, langfristige Abnahmeverpflichtungen einzugehen - oder nicht.


Meiner Ansicht nach nicht. Ich bin Angestellter in einem der größten Tier1, ein partnerschaftliches Verhältnis gibt es nicht mehr. Die deutschen OEMs pflegen seit ~10 Jahren eine Form von abnormaler Machtausübung, die am Ende zu einer Konsolidierungswelle führen wird (hat schon begonnen). Insbesondere das Tier1-Geschäft hat im Grunde keine Existenzberechtigung mehr, das zukünftige Geschäftsmodell erschließt sich mir nicht.

Auch die aktuelle Chipkrise ist in weiten Teilen hausgemacht. Zu Beginn der Corona-Pandemie hat man die Bestellmengen deutlich reduziert. Als man dann nachbestellen wollte, waren andere schneller gewesen.


Korrekt, um genau zu sein, man hat sie teils vollständig abgekündigt. Und auch heute meinen die OEMs immer noch, ihre mittelfristigen Bedarfe (2-3 Monate ahead) hoch- und runterzuregulieren, wobei die Bedingungen der Halbleiterhersteller relativ klar sind: Rausgenommene und kurz darauf wieder neu eingestellte Bedarfe müssen als "neue Bestellung" betrachtet werden, ergo 50-75 Wochen Lieferzeit.

Die deutschen OEMs sind desaströs schlecht geführt.

Das betrifft ja nicht nur die deutsche Automobilindustrie. Viele große Unternehmen zeigen erhebliche Planungsschwächen und eine teils haarsträubende Arroganz. Eine meiner Kunden hat verschiedene langfristige strategische wichtige IT-Projekte. Darunter für Produkte, die seit Jahren unbedingt eine Ablösung benötigen, um Geschäftsfelder aufrechtzuerhalten oder auszubauen. Wir haben schon vor längerem darauf als Verbund von SAP-Beratern und Entwicklern auf einen gewissen Kapazitätsbedarf hingewiesen. Im Frühjahr haben wir dann das Team aufgestockt, was eine Glanzleistung war. Denn SAP-Experten mit Erfahrung sind ungefähr so rar und begehrt wie Halbleiter. Vor 4 Monaten müssen da ein paar Controller was gerechnet haben und wollten schon einmal Kosten sparen. Die neuen Kollegen mussten also wieder raus aus dem Projekt. Kein Problem für die, habe einfach woanders weitergemacht. Nun bettelt der Kunde wieder händeringend um mehr Leute, weil die Strategie und auch die Projekte ja weiter laufen müssen.
Das gleiche Spiel wie bei Projekten der SAP, die am Jahresende aus Bilanzgründen mal eine Heerschar von externen rauswirft. Um dann kurz darauf wieder neue zu suchen. Und dann wundert man sich, wieso manche Produkte der SAP nie den Stand von Prototypen verlassen.
Aus dem Stand kenne ich noch ein paar andere Großunternehmen, die so verfahren. So kriege ich natürlich nie sauber Innovation umgesetzt. Und dann wundert man sich.


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