schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Faszinierend wie Hysterie immer so funktioniert (Sonstiges)

pactum Trotmundense, Syburg, Mittwoch, 16.11.2022, 09:29 (vor 1158 Tagen) @ dNL

Ich hatte den "Vorteil", dass ich jetzt zwei Tage mehr oder weniger nichts von der Welt mitbekommen habe und weiß erst seit ein paar Stunden von der Sache. Wenn ich mir jetzt einmal die Nachrichtenentwicklung und auch die Art der "Diskussionen" in den asozialen Medien anschaue, könnte man das prima als Lehrbeispiel für die Entstehung von Hysterie und Massenpanik heran ziehen.

Obwohl schon in der ersten Stunde nach der ersten Meldung über den Vorfall durchaus einige Medien unter Berufung auf Menschen mit Expertise darauf hinwiesen, dass es nicht zwingend ein Angriff Russlands sein musste und durchaus auch eine "verirrte" Abwehrrakete der Ukraine im Zuge der Verteidigung der Angriffe auf Infrastruktur in der Nähe der polnischen Grenze in Betracht kommen muss, forcierte die Clickbait-getriebene Medienmaschine den hypothetischen worst case.

Insbesondere WELT und Bild haben fast minütlich irgendeinen fatalistischen Kram heraus gehauen, der sich immer weiter überboten hat bis hin zu der Frage nach Bündnisfall und wie bei echten Katastrophenjournalisten nicht anders zu erwarten ob ein dritter Weltkrieg mit Atomwaffen droht. Die Masse mit der das Axel-Springer-Syndikat bei Twitter, YouTube, Facebook, den eigenen Push-Diensten, etc. diese Weltuntergangsszenarios und Spekulationen über einen russischen Angriff auf Polen raushaute, überdeckte komplett in der Wahrnehmung die durchaus zurückhaltenden und analytischen Stimmen. Nach knapp anderthalb Stunden brach dann die Phalanx des sogenannten "Qualitätsjournalismus" ein und auch Spiegel, Tagesschau.de, ZDF, etc. ließen sich zu immmer gewagteren Clickbait hinreißen. Drei Stunden nach der ersten Meldung über den Vorfall war dann die Hysterie in den asozialen Medien perfekt. Jetzt rudern sie alle zurück und tun so als ob sie damit nichts zu tun hatten.

Es ist natürlich leicht auf die Medien einzuprügeln, die eine wirtschaftliche Abhängigkeit haben. Wenn keiner die Nachrichten dort konsumiert, verdienen sie nichts und können stempeln gehen. So funktioniert das nun einmal. Man kann den Mechanismus doof finden, aber daran ändert sich nichts. Was man aber beeinflussen kann, ist wie man mit Nachrichten als Individuum umgeht. Es ist einfach erschreckend zu sehen wie sehr überall einzig und allein auf Basis von Spekulationen debattiert wurde. Wenn denn überhaupt debattiert wurde. Die einzig bekannten Fakten waren der Ort, die Zeit, das Schadensbild und der Typ der Rakete.

Medienkompetenz ist so wichtig. Aber diese Diskussion hat man gefühlt jeden Monat einmal. Scheinbar sieht nur nie jemand, dass er daran auch bei sich selbst arbeiten muss und nicht nur alle Anderen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mich von der Hysterie vermutlich auch hätte anstecken lassen, wenn ich da rein geraten wäre. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass diese Medienkompetenz vorliegt, wenn die Hysterie im Anfangsstadium ist. Dann hätten nicht die Weltuntergangsapologeten in der Medienlandschaft die Debatte beherrscht, sondern die besonnenen und analytischen Stimmen, die es, wie eingangs erwähnt, eben auch gegeben hat, die jedoch schlichtweg nicht von der Masse gehört werden wollten.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


1524065 Einträge in 16382 Threads, 14353 registrierte Benutzer Forumszeit: 17.01.2026, 09:23
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln