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Wie geht es nach den Midterms weiter? (Politik)

Ulrich, Mittwoch, 04.11.2026, 16:25 (vor 4 Stunden, 0 Minuten) @ Kris

Ich habe mich zunächst gewundert, wie schnell Trump die Niederlage akzeptiert hat. Dann ist mir eingefallen, dass ihn weder demokratischen Instanzen noch Gesetze bisher sonderlich interessiert haben (Krieg gegen Iran usw.). Ich glaube, dass er mit seinem Chaos einfach so weiter machen wird wie bisher. Außer er bekommt für einzelne Projekte den Geldhahn zugedreht.

Ja. Zudem denkt Donald Trump schon immer in ganz einfachen Strukturen. Sein geistiger Abbau verschärft das ganze noch. Früher einmal hatte er sehr gute Verbindungen auch zu den Demokraten, er hat demokratischen Politikerinnen und Politikern durchaus größere Summen gespendet. Jetzt glaubt er wohl tatsächlich, er könne einfach mit seinem Veto drohen bzw. es einige Male tatsächlich einlegen, dann würden die Demokraten vor ihm einknicken und "Deals" zu seinen Konditionen machen, wie es die republikanischen Abgeordneten und Senatoren vorher gemacht haben. Er hält sich noch immer für allmächtig, er glaubt, er könne alle gegeneinander ausspielen und so seine Ziele erreichen. Er versteht nicht, dass er durch sein Verhalten seit 2016 alle Brücken zerstört hat. Er kann nicht einfach die Seiten wechseln und weitermachen. Stattdessen wird er sich mit Schwung zwischen alle Stühle setzen.


Der Ausgang dieser Wahlen ist m.M.n. ein Ergebnis der Unzufriedenheit der meisten Wähler. Die Erwartungen sind sicherlich hoch, was Gesundheitsversorgung, Spritpreise und Haushaltskosten angeht. Doch aus den beiden Häusern heraus kann diese Situation nicht verbessert werden, solange Trump gegen alles sein Vetorecht geltend macht.

Donald Trump steht in der Tat für Chaos, und dieses Chaos dürfte in seiner zweiten Amtszeit noch schlimmer werden. Der Mann ist ein Spieler, er wird es auf den nächsten Government Shutdown ankommen lassen. Allerdings traue ich ihm auch plötzliche Richtungswechsel zu, falls er den Eindruck hat, dass es zu eng wird.

Die Demokraten wären dumm, wenn sie unmittelbar auf ein neues Impeachment zusteuern würden. Sie hätten aber eine Chance in einer Situation, in der sich Donald Trump auch für einen Teil der republikanischen Senatoren unmöglich gemacht hätte. J.D. Vance ist ebenfalls eine hochproblematische Person, aber er dürfte weniger Interesse an Chaos haben, um seine Chancen für 2028 nicht zu verspielen.

Wenn die Dems es in den nächsten zwei Jahren nicht schaffen, den Bürgern auf irgendeine Weise finanzielle Erleichterungen zu bringen oder zumindest einen sehr plausiblen Plan zu entwerfen, wie es nach Trump weitergeht, sehe ich für die nächste Präsidentenwahl für sie schwarz. Ich glaube, dass der Machtkampf der beiden Parteien die Bürger in ihrem Dasein nicht so sehr interessiert wie der eigene Geldbeutel.

Finanzielle Erleichterungen, das dürfte angesichts von Donald Trump schwer fallen. Wie auch Du bereits geschrieben hast, Trump lebt geradezu vom Chaos. Er macht Politik, wie Storyliner Soaps konzipieren. Immer wieder immer neue überraschende Wendungen, und trotzdem hat man den Eindruck, man hat alles schon wiederholte Male gesehen.

Zudem bauen sich aktuell eine ganze Reihe von Risiken auf. Die US-Staatsverschuldung explodiert, das Zinsniveau ist hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Je schwächer die US-Regierung ist, um so wahrscheinlicher wird es, dass der Anleihenmarkt neue Staatsanleihen nicht mehr abnimmt. Bill Clinton war einmal in so einer Situation. Der hat daraufhin einen deutlichen Richtungswechsel eingeleitet, in der Folge sankt die Verschuldungsquote, das letzte Mal in der US-Geschichte. Donald Trump traue ich das nicht zu. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass eine KI-Blase platzt, auch im Bereich Private Credit gibt es deutliche Risiken. Je schwächer eine Regierung ist, um so größer das Risiko, dass es zum "Knall" kommt.


Andererseits: Wenn es gelänge, einen Kandidaten aufzubauen, der begeistern kann, authentisch rüberkommt, die Menschen abholt und wieder zusammenbringt, dann könnte es was werden. Letztendlich werden keine Parteien oder Versprechungen gewählt, sondern Personen, die die Inhalte transportieren. [Haben Özdemir und Schwesig auch verstanden.] Kamala Harris wird das aber wahrscheinlich nicht sein, obwohl sie ja wieder Ambitionen geltend gemacht hat.

Man wird sehen. Es gibt bei den Demokraten durchaus gute Leute, aber das heißt nicht automatisch, dass die sich auch in den Vorwahlen durchsetzen.

Bin gespannt, wie es weiter geht und ob die Welt (Wirtschaft, Kriege) irgendwelche Änderungen nach diesen Midterms merken wird.

Auf Sicht von einem halben bis einem Jahr rechne ich eher mit noch mehr Chaos.


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