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Polizei kontert Kritik der Bayern-Fans - BVB stellt Strafantrag (BVB)

Giog, Mittelhessen, Mittwoch, 04.03.2026, 17:04 (vor 1 Stunden, 41 Minuten) @ ooohflupptnicht

Von daher darf man die Frage stellen, ob Knochenbrüche verhältnismäßige Maßnahmen sind, wenn jemand versucht, sich ohne Eintrittskarte Zutritt zu einer Veranstaltung zu verschaffen.


Die Frage darf man stellen, aber man darf sie durchaus auch mit ja beantworten.


Die Inkaufnahme einer schweren Verletzung wegen eines versuchten Hausfriedensbruchs? Das halte ich für eine abenteuerliche Einschätzung.


Hallo Giog,
ich maße mir explizit nicht an, die Verhältnismäßigkeit dieses konkreten Einsatzes hier zu beurteilen. Habe keine Videos gesehen (nur eins, wo man nix sieht außer jede Menge Helme in Bewegung unter/hinter der Nord) und Berichte nur aus zweiter Hand (=hier) gelesen.

Knochenbrüche wären ganz allgemein für mich zumindest ein starkes Indiz dafür, dass "über die Stränge" geschlagen wurde. Allerdings stelle ich mir bzw. Dir ernsthaft (nicht provozierend gemeint) die Frage, was ein geignetes (also "erfolgversprechendes") und gleichzeitig milderes Mittel sein könnte, als das gewaltsame Eindringen (lt. Berichten verletzte Ordner?) mit Gegengewalt zu stoppen? Einfach reinlassen kann ja auch nicht die Lösung sein, zumal "das Recht nicht dem Unrecht weichen soll" als Grundsatz doch (zumindest mMn) richtig ist. Niemand sollte schwere Verletzungen gutheißen, aber wenn (!) diese durch eigenes strafhaftes Verhalten (wenn Unbeteiligte verletzt werden natürlich anders zu bewerten) bedingt ist, fällt es mir schwer, ein Vorgehen von vornherein zu verurteilen.

Wie gesagt, ich maße mir hier nicht an, ein Urteil zum Sachverhalt abzugeben. Welches Verhalten der Polizei hättest Du erwartet?

Ein paar Worte vorweg, die nicht explizit gegen dich gerichtet sind: Grundsätzlich, wie hier schon an anderer Stelle gesagt wurde, ist es aus meiner Sicht nicht so, dass man nur Kritik äußern kann, wenn man für jedes Szenario einen besseren Vorschlag parat hat. Ich bin am Ende des Tages Rechtsanwalt und kein Polizist und kann ein Urteil über einen Polizeieinsatz bzw. mögliche Alternativen nur mit einem Mix aus Polizeirecht und gesundem Menschenverstand fällen.

Vor diesem Hintergrund sollten wir uns alle doch eigentlich einig sein, dass das Gesamtbild (Hausfriedensbruch, Versuche ein Tor aufzutreten, körperliche Auseinandersetzungen mit Ordnern vs. dutzende Verletzte mit teils erheblichen Verletzungen) ein sehr starkes Indiz dafür liefert, dass hier irgendwas ganz offensichtlich schief gelaufen sein muss.

Wenn du mich jetzt nach ganz konkreten Alternativen fragst, würde ich zum Beispiel auf das kursierende Video abstellen. Was dort von den meisten als Beleg dafür genommen wird, dass die Fans doch eigentlich ein paar in die Schnauze verdient hätten, ist für mich ein Schnipsel, der ein einigermaßen unaufgeregtes polizeiliches Vorgehen abbildet. Dort stürmt eine Einheit an, knallt das Tor wieder zu und positioniert sich entsprechend vor diesem Tor. Dabei rückt zusätzlich Verstärkung durch den Mob an, wobei auch ein paar Fans zur Seite geschubst werden. Glaubt denn irgendwer, dass eine der angesehensten Kurven wie die des FC Bayern wegen ein paar Schubsern von Polizisten im Nachhinein davon spricht, solche Ausmaße von Polizeigewalt noch nie erlebt zu haben?

Was das Video auch gut zeigt ist, dass dieses Bild, Ultras würden sich in solchen Situationen stundenlange Boxereien mit der Polizei liefern, doch völlig herbeifantasiert ist. Vielmehr zeigt die Reaktion auf das polizeiliche Einschreiten, dass herbeistürmende, behelmte und vermummte BFE-Einheiten bei den allermeisten Leuten erstmal einen Fluchteffekt auslösen. In solchen Situationen muss dann eben auch differenziert werden zwischen Personen, die einfach nur bereit waren ein Tor aufzukloppen, und solchen, die im nächsten Schritt auch bereit sind, sich mit erhobenen Fäusten vor den Polizisten aufzubauen, um sich eine Auseinandersetzung zu liefern (in dem Video ist das übrigens auch gut erkennbar, weil ca. 2 Personen vorne stehen bleiben und augenscheinlich noch in die Polizeikette reintreten, alle anderen aber erkennbar einen Sicherheitsabstand einnehmen).
Wenn ich aber in so einer Situation auf alle, die mutmaßlich an der Beschädigung des Tors beteiligt waren, mit meinem Schlagstock einprügele, dann hat dies keinen Mehrwert mehr für die Vermeidung oder die Verfolgung einer Straftat (nämlich dem Eintreten des Tors), sondern ist eine nachträgliche Bestrafung für das, was zuvor passiert ist. Ich weiß, dass hier viele, teils auch ganz unverblümt die Auffassung vertreten, dass es einigen Leuten ja mal ganz gut tun würde, wenn man ordentlich aufs Maul bekommt und dadurch ja mal ein Lerneffekt einsetzt.

Gleiches gilt für das „Herausziehen“ einzelner Personen. In einer Zeit mit Kameras überall, Datenbanken, szenekundigen Beamten, Super Recognizern und mittlerweile fast routinemäßiger Öffentlichkeitsfahndung wirkt es für mich schwer nachvollziehbar, wenn die Polizei nach einer bereits erfolgten Eskalation ein zweites oder drittes Mal durch eine Menschenmenge durchballert, um eine einzelne Person festzunehmen. Dass dabei Solidarisierungseffekte entstehen können, sollte eigentlich Teil jeder polizeilichen Lageanalyse sein. Wer dennoch so vorgeht, handelt entweder extrem dämlich – oder (und das ist m. E. der Fall) nimmt schlicht in Kauf, dass dabei auch zehn andere Personen abgeräumt werden, die zufällig oder bewusst im Weg stehen.

Für mich ist das schlicht kein Verhalten, was sich noch in einem rechtlich zulässigen Rahmen abspielt. Und wenn Leute hier augenscheinlich mächtig Bock auf diese Bestrafungsfantasien haben, muss ich halt für mich festhalten, dass ich mit solchen Personen nicht ansatzweise eine gemeinsame inhaltliche Basis sehe. Dann stehen wir ganz erkennbar bei der Bewertung von Polizeieinsätzen nicht auf der gleichen Seite.


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