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Eine Kriegserklärung (Sonstiges)

Ulrich, Donnerstag, 04.06.2020, 11:46 (vor 2037 Tagen) @ Blarry

Als jemand, der um 9/11 herum politisiert wurde, wirkt es auch nach einigen Tagen immer noch völlig surreal, dass die "Falken" von damals, ja selbst George W. Bush heute die Stimmen der Vernunft sein können. Mich verunsichert zutiefst, wie gemäßigt und in sich geschlossen und stimmig begründbar das Handeln der Bush-Administration nach der Jahrtausendwende plötzlich wirkt, wenn man so einen Kontrast im Weißen Haus sitzen (oder eher im Bunker des Weißen Hauses kauern) sieht.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass George W. Bush in erster Linie überfordert war und von den Leuten um ihn herum instrumentalisiert worden ist. Insbesondere Dick Cheney spielte da wohl eine ausgesprochen ungute Rolle. Ich vermute, man hat damals nicht nur die Öffentlichkeit und die Politik getäuscht, sondern auch den Präsidenten selbst.


Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass das Problem der systemischen ethnischen Ungerechtigkeit in den USA keins ist, das in irgendeiner Weise vom Personal in Washington abhängt. Teile davon lassen sich in den Griff bekommen, zum Beispiel bessere Ausbildung der Polizei. Habe Quellen gesehen, wonach in der Polizeiausbildung in den USA über 100 Unterrichtsstunden in Schusswaffenbedienung, aber nur acht Stunden Konfliktmanagement und Mediation im Curriculum stehen. Sowas lässt sich korrektiv angehen.

Was aber bleiben wird, ist ein durch und durch rassistisch gefärbtes Weltbild in der Gesellschaft, aus der die Polizei rekrutiert. Wir wissen aus unserer historischen Erfahrung mit der Entnazifizierung, dass sich Denkweisen verbieten und aus der Öffentlichkeit drängen lassen, das dahinterstehende, das ihnen zugrundeliegende gedankliche Konstrukt einer Gesellschaft aber bestehen bleibt. In wie vielen Köpfen waren auch nach 1948 die Juden noch selber schuld am Holocaust, der Russe ein brandschatzender Untermensch? Es müssen Generationen durchzirkuliert werden, bis solche Leitbilder aus den Menschen verschwinden. Und wenn man nicht aufpasst, sitzen sie 70 Jahre später doch wieder im Bundestag.
Ist in den USA die selbe Nummer. Martin Luther King hat die Menschen nur de jure, und selbst das nur auf dem Papier emanzipieren und gleichberechtigen können.

Trotzdem richten Leute wie Donald Trump einen Schaden an, den man eventuell noch Jahrzehnte spüren wird. Unter ihnen wird rassistisches Gedankengut wieder gesellschaftsfähig. Und zudem sorgen Trump und Co. dafür, dass die Judikative mit Personen besetzt wird, die rassistisches Denken und Handeln wieder legitim machen.

Auch wenn Trump abgewählt werden sollte, der harte Kern seiner Anhänger wird bleiben. Und er wird einem demokratischen Präsidenten (oder einer demokratischen Präsidentin) jedwede Legitimität absprechen. Ein Wiedererstarken der "Militias" und rechtsradikaler Terror sind leider durchaus nicht unwahrscheinlich.


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