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Es geht nicht um "ein Buch" (BVB)

*krugix*Borusse*, Dortmund, Samstag, 28.06.2025, 15:23 (vor 199 Tagen) @ Tom Frost

Es geht auch nicht um Fußball oder den BVB.
Es geht um unsere Gesellschaft als ganzes.
Wir leben in einer Welt, die mehr und größere Kriege sieht, als in Jahrzehnten zuvor. Wir erleben eine Veränderung der Welt, die vielen (allen?) Angst macht.
Wzu führt es? Kriege, Vertreibungen, Tote. Das sind die großen Dinge, aber noch entfernt von uns und nur sichtbar durch geflüchtete Menschen.
Der Brexit, aber da konnten wir ja noch den Kopf schütteln.
In den USA werden anders Aussehende von maskierten Menschen inhaftiert. Teilweise ist sogar unklar welche Behörde gerade unterwegs ist.

In Deutschland ist die AFD hoch im Kurs und der Innenminister der CDU/CSU entscheidet sich zu einer Maßnahme, die von der dritten Gewalt kassiert wird - aber der Innenminister erklärt offen, das zu missachten.

Das mal als kurzer Abriss zur Situation, man könnte es stundenlang weiterführen.

Wieso ist es so? Weil wir alle nicht mehr in der Situation der 80er oder 90er Jahre sind, wo keine Überraschung auf uns wartete.
Wir haben Angst.
Gut, also wollen wir Sicherheit. Wie kriegt man die?
Meiner Tochter bringe ich bei, dass man über seine Ängste sprechen muss. Anderes akzeptieren oder zumindest versuchen zu verstehen ist ein Schlüssel.
Einfacher ist natürlich dicht zu machen. Sich selbst im Elfenbeinturm des vermeintlichen Rechts einschließen und nach unten treten. Wir kommen ja aus einer sehr angenehmen Situation - es gibt viele "unter" uns. Im Normalfall sind es Minderheiten.

Menschen, die uns nicht verstehen. Menschen ohne Macht. Kranke, Alte, Kinder (siehe USA: Einstellen von medizinischen Programmen, Schulessen, Veteranenunterstützung, siehe Deutschland: Aufweichen von Arbeitsrecht für ältere Arbeitnehmer). Es sind aber auch Frauen und LGBTQI+, die keine gewachsene Lobby haben, die sich immer verstecken mussten und um Anerkennung kämpfen. Wobei Frauen da schon länger erfolgreicher sind.

Wie zeigt sich das treten? Im Verbot von Büchern und Lerninhalten. Im täglichen Gespräch. Im Umgang mit einander.

Ich zitiere aus der Süddeutschen von heute:
"In Regensburg musste der Umzug zum Christopher Street Day abgekürzt werden, nach einem Drohschreiben. In Gelsenkirchen sagte ein queerer Jugendtreff den Marsch ganz ab. Anschlagswarnung. In Pforzheim tauchten Neonazis auf."
Das ist ein Auszug aus einem Artikel, der nur ein Auszug aus dem Alltag von Menschen ist.
Quelle
Warum schreibe ich so viel dazu?
Wir reden ja nur über ein Buch!

Es ist ein Symbol. Das Buch liegt bei einem Medienprofi mit enormer Reichweite bei vor allem jungen Menschen sichtbar herum, während er sich seiner Aufmerksamkeit gewiss sei kann. Er macht nichts verbotenes. Er hat nur ein Symbol. Zur richtigen Zeit natürlich. Während der CSD Umzüge. Während der oben genannten Attacken. Während die Stimmung kippt.

Warum also regen sich hier viele auf? Und ist es gerechtfertigt?

Borussia Dortmund, unser Verein, hat eine Außenwirkung, die sie als Ziel auch benennt. Noch vor ein paar Tagen war Borussia Thema bei der UN.
Sie bietet aber dem Spieler den Raum zu agieren und gesehen zu werden. Das regt viele auf, viele auch nicht.
Schließlich hat er nichts verbotenes getan! Der ist nur zum kicken hier!

Gleichzeitig ist er aber Teil einer Bewegung, die den Diskurs verschiebt. Im Sinne von "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen".
Als dürfte man es nicht!
Aber man muss halt auch mit Gegenwind rechnen. Von denen die auch Angst haben, aber vor dieser Verschiebung. Die selbst betroffen sind. Die Familie und Freunde haben, die betroffen sind. Die sich einfach um unser Zusammenleben sorgen.
Oder die der Meinung sind, dass der BVB hier seinem eigenen Wunsch nach Außerwahrnehmung einen Bärendienst geleistet hat.

Man sollte also weg von persönlichen Angriffen und denjenigen keine Bühne geben, die das gezielt hier benutzen.
Man müsste allgemein überlegen, was zu wünschen wäre. Für uns als Menschen.

Im Stadion sind wir eine Familie, da fallen sich Menschen in die Arme, die man nie gesehen hat, nicht kennt und vielleicht nicht versteht. Warum geht das nicht außerhalb?
Wir machen uns im Westfalenstadion nicht gegenseitig klein, wir bauen uns auf. Junge und Alte, Männer und Frauen, auf Beinen oder Rädern.

Seltsam, dass es da klappt. Und komisch, dass mit Feuereifer verteidigt wird, was im Grunde ausgrenzt.

Ja der Spieler darf das denken. Aber ist er hier richtig? Wenn ich sehe, was er hier bei uns anrichtet, habe ich Zweifel.


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