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Die Weidel..... (Politik)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Sonntag, 08.03.2026, 23:10 (vor 12 Stunden, 3 Minuten) @ Ulrich
bearbeitet von FourrierTrans, Sonntag, 08.03.2026, 23:15

Vor ein paar Jahren haben Umfragen nahegelegt, dass Furcht ein wesentlicher Faktor war, AfD zu wählen. Wer sich von "Ausländern", von Veränderung, von sozialem Abstieg, von Jobverlust, etc. bedroht fühlte, neigte im Durchschnitt stärker zur AfD als Menschen mit einem positiveren Weltbild.

AfD-Wähler haben wohl nur vor zwei Dingen keine Angst: Vor dem Klimawandel und davor, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt ;-)


Das mit dem "abgehängt" ist aber gerade durch die AFD Wählerschaft in BaWü widerlegt.
Das mit dem "einfach" finde ich schon ganz richtig, denn genau das ist das "Programm" der AFD.


Mittlerweile gibt es bei vielen Arbeitnehmern in Baden-Württemberg vor allem in der Automobilindustrie durchaus massive Ängste vor Jobverlust. Die macht sich die AfD ganz bewusst zunutze. Auch den Kampf gegen das Verbrennerverbot muss man vor diesem Hintergrund sehen, hier mischen mittlerweile auch Teile der IG Metall, etc. mit. Alles aus Furcht vor der AfD, die auch in die Betriebsräte hinein wollen.

Teilweise erzählen die Automobilunternehmen auch ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, dass man in Deutschland weiterhin auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor setzen wird. Gleichzeitig errichtet man in Tschechien, Spanien, Ungarn, etc. moderne Fabriken, in denen man Elektroautos produziert. In ein paar Jahren heißt es dann vermutlich "Tut uns leid, der Markt verlangt überraschenderweise Elektroautos, Verbrenner gehen kaum noch. Deshalb müssen wir unsere Stammwerke schließen!".


Mir scheint, vielen aus der Ecke IGM, Gewerkschaften, Sozialverbände und auch SPD ist nicht klar, in welcher Situation wir uns eigentlich befinden. Also man ist sich der historischen Gratwanderung nicht bewusst. Man verliert zunehmende Gesellschaftsteile an rechte Populisten. Systematisch, seit mindestens 10 Jahren. Auf der Metaebene liegt das ohne jede Frage einzig und alleine daran, dass man sich seit mindestens 2000 einer sich stetig verstärkenden ökonomischen und Chancenungleichheit gegenübersieht. Du beschreibst es ja sehr gut und die "einfachen" Leuten merken das sehr wohl, sie können es aber weniger gut artikulieren oder wissen sich zu wehren. Wie auch? Man muss sich nur exemplarisch die asozialen Vorgänge rund um die VW AG und deren Eigentümern anschauen und wie wenig sich Gewerkschaften als auch Landesregierung (die ja sogar "mit drin" ist bei VW) dagegen zur Wehr setzen. Aus der o.g. Ecke (IGM, Gewerkschaften, Sozialverbände, SPD) gibt es keine Gallionsfiguren, keine Führungsköpfe, die die Menschen hinter sich bringen. Zudem ist das Aggressionspotenzial dieser zuvor genannten Spieler viel zu klein, um sich gegen diese asozialen Gesellschaftsschichten an der Spitze ernsthaft zur Wehr setzen können, was dann auch die Menschen aufhorchen lassen würde (nach dem Motto "da gibt es ja doch noch welche, die es ernst meinen!").


Das Problem ist, selbst bei VW sind die Einflussmöglichkeiten der Politik beschränkt. Das Sagen haben die Familien Porsche und Piech. Die haben wohl im letzten Jahr Vermögen umgeschichtet, im Ergebnis stehen ihnen Steuerforderungen in beträchtlicher Höhe ins Haus. Wenn sie von VW keine ausreichende Dividende bekommen, müssen sie entweder Kredite aufnehmen oder Aktienpakete verkaufen. Das ist der Hintergrund der künstlich aufgehübschten Zahlen für 2025, die zu höheren Dividenden und zu beträchtlichen Boni für die Vorstände sorgen.

Ist alles richtig.

Aber warum ist der krumme und in jedem Fall der Heimat Deutschland grob asozial aufgedrückte Asset Change der o.g. Familien mein Problem

a) aus Politikersicht? Alles eine Frage des Willens, man könnte solche Leute viel härter an die Kandarre nehmen, was steuerliche und sozial-gesellschaftliche Verpflichtungen angeht. Wer da nicht mitziehen will, bekommt die gesamte Härte des Staates und neuer Gesetzesreformen zu spüren, u.a. mit Verstaatlichung von Betriebsvermögen auf Boden der Bundesrepublik und Beugehaft für jedes Familienmitglied, sollte es nochmals nach Deutschland einreisen. Also gesetzt des Falles man möchte da nicht mitmachen aus Sicht von z.B. Familie Porsche.
Weil ansonsten geht uns als Politik der Wähler in Richtung Rechtsfaschismus flöten

b) aus Sicht der Gewerkschaft? Die völlig verheerende, aus betriebswirtschaftlicher als auch aus ethischer Sicht, Lebensleistung vieler Top-Familien Deutschlands in den letzten 20 Jahren ist nicht mein Problem als Gewerkschaftsführer. Sie wollen es jetzt zu meinem Problem machen, indem sie Produktion und Engineering ins Ausland verlagern, den von dir schon angesprochenen Asset Change. Klar, theoretisch kann ich dagegen nichts machen. Praktisch benötige ich hier aber, um es mal mit deutlicheren Worten zu sagen als zuvor, nur ein neues Gewaltmonopol auf der Straße und im Umfeld der Werke. Beispiel auch untenstehend von Daimler. Ihr wollt unsere Jobs abbauen und die Flaggschiffe im Ausland bauen? Ohne mich als Gewerkschaftsführer, wir brennen euch eure Hallen nieder. Es gab Zeiten, da sind die Gewerkschaften aus Straßenkämpfen und Knüppeln entstanden. Ich befürchte, da müssen wir wieder hin. Gegenvorschläge, wie man diesem völlig außer Kontrolle geratenen asozialen Großkapitalismus in Deutschland auf Kosten der Menschen eindämmen will, also ohne dieses Gewaltmonopol, bin ich aber auch aufgeschlossen gegenüber.

Und bei Mercedes hat ein Ola Källenius das Sagen, seines Zeichens gelernte Controller. In der Corona-Krise, als elektronische Bausteine für Autos knapp waren, haben sich die Hersteller auf die Modelle konzentriert, die im jeweils oberen Preissegment angesiedelt waren. Da die Nachfrage damals höher als das Angebot war, hat man an denen gut verdient. Källenius hat daraus aber den Schluss gezogen, dass Mercedes sich dauerhaft auf das Luxussegment ab 100.000 Euro aufwärts konzentrieren sollte. Es war geplant, z.B. die A- und die B-Klasse einzustellen. Jetzt schwächelt dieses Luxussegment, die A- und die B-Klasse werden doch weiter produziert - allerdings in Ungarn und perspektivisch elektrisch.


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