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Jetzt mal ganz neutral ohne Wertung (Politik)

Pfostentreffer, Montag, 09.03.2026, 15:57 (vor 2 Stunden, 28 Minuten) @ majae

Fremdenhass ist kein "menschlicher Zug", er ist das Gegenteil von natürlich und komplett erlernt. El Mafaalani erklärt das wunderbar anhand von kleinen Kindern.


Es gibt durchaus einen evolutionsbiologischen Erklärungsansatz für Xenophobie, der aus meiner Laiensicht nicht ganz verkehrt klingt. Menschengruppen, die mehr Angst vor fremden hatten, hatten tendenziell bessere Überlebenschancen.

Bei Angst bin ich auch voll bei Dir. Er schrieb jedoch von "Fremdenhass". Um den Hass aus der Angst zu entwickeln, muss der zweite natürliche Schritt - die Neugier - zuerst unterdrückt werden.

Wenn diese jemanden "fremden" sehen, ist der erste Impuls, sich hinter Mama's Bein zu verstecken. Soweit so natürlich. Der Rassismus unterdrückt aber den folgenden natürlichen zweiten Impuls und der ist eben die Neugier.

Das Rassismus heute als menschliches Normalverhalten klassifiziert werden kann, weil es in vielen noch existenten Kulturen vorkommt, zeigt leider nur, wie erfolgreich "wir" waren mit unserer Missionierung und wie erfolgreich "wir" unsere Weltsicht über den Rest des Planeten verteilt haben.


Aber auch die Sozialisation spielt sicherlich eine Rolle.

Genau das meine ich ja. Uns ist heute häufig nicht bewusst, wie stark wir die Sozialisierung auf der ganzen Welt beeinflusst haben und jeden Tag noch beeinflussen. Allein die Tatsache, dass wir heute in "Staaten" leben und "Verträge" machen, kommt alles von uns Europäern und haben wir weiten Teilen des Planeten mit Gewalt durchgesetzt. Zu den Kosten, dass heute ein Grossteil der menschlichen Kulturen verschwunden sind und nahezu alle die Verhaltensweisen nutzen, die wir ihnen aufgezwungen haben.

Laut Harari wurde Rassismus im Prinzip erfunden um die Sklavenhalterei moralisch vertretbar zu machen. Deklassifiziere ich alle Dunkelhäutigen zum Tier, dann war das früher auch nicht grausamer, als was wir heute mit unseren Nutztieren anstellen.

Korrekt und kein Widerspruch. Und ich fand Sapiens auch sehr geil:-)

Und sehen wir ja heute auch in jedem Seminar zur Radikalisierung. Entmenschlichung des Gegner ist einer der entscheidenden Schritte auf dem Weg. War es schon unter Hitler, war es genauso in Gaza. Und das Beispiel wähle ich, da wir Familie und Freund in Israel haben und ich deren Radikalisierung quasi live miterleben konnte, was mich zuteifst schockiert hat und erst die Augen geöffnet, wie effektiv gut gemachte Propaganda wirklich sein kann.

Und Entmenschlichung des Gegner ist mir da leider sehr häufig untergekommen, gerade in den ersten Monaten nach dem 7. Oktober habe ich "das sind alles Tiere, die haben es nicht besser verdient" öfter gehört als ich zählen konnte.

Auf der anderen Seite in Gaza wird dieser Satz über Israelis vermutlich noch deutlich öfter zu hören gewesen sein und immer noch zu hören sein (da kenne ich nur kaum Leute).

Ich glaube so ganz getrennt kann man das alles nicht betrachten. Xenophobe Tendenzen sind vllt durchaus ein "menschlicher Zug" - was man daraus macht, das ist dann aber nochmal eine andere Frage.

Ich versuche in solchen Dingen nicht zu glauben, sondern lieber Leuten zuzuhören und zu lesen, die sich - im Gegensatz zu mir- professionell und wissenschaftlich damit auseinander gesetzt haben und nicht nur aus persönlichem Interesse wie ich.

Da sind mMn sowohl El-Mafaalani als auch Harari sehr gute Quellen, die man auch ohne eigenes Studium der Fachbereiche gut lesen und nachvollziehen kann.

Nun sind sie allerdings aus unterschiedlichen Fachbereichen. Deswegen ist es auch kein Widerspruch, dass die Antworten nicht 100 % deckungsgleich sind. Sie sind nur mit anderen Perspektiven als auch Schwerpunkten versehen. Für ein umfassendes Gesamtbild macht es mMn Sinn, beides zu betrachten und hier würde ich Hararis Einordnung als unvollstöndig ansehen: Es gibt genug Beispiel aus der Vergangenheit, bei denen Fremde andere Kulturen allein uns bereits mit offenen Armen und ohne Hass empfangen haben. Das hat Harari, wenn ich mich recht erinner, nicht mit drin gehabt und auch nicht erklärt. Falsch ist sein Gedanke deswegen aber noch nicht.

Gerade in der heutigen Welt, wird das natürlich massiv von einer kleinen globalen Elite befeuert. Kulturkampf und die Angst, dass der Ausländer mir etwas wegnehmen könnte, lenken ganz gut von der eigentlichen Ursache ab, nämlich den extremen Unterschieden zwischen den Klassen.

Das ist so und war vor 100 Jahren schon genauso. Heute sind nur die Mittel, diese Narrative unters Volk zu mischen, viel effizienter geworden und man kann uns alle soviel mit Müll zuschütten, dass die meisten nicht mehr wissen, was richtig und falsch ist.

Und das reicht bereits. Deswegen wirst du hier auch immer Leute finden, die diese Narrative ständig wiederholen, sei es über Ausländer oder Wärmepumpen oder oder was gerade den entsprechenden Überreichen (die eine sehr grosse SChnittmenge mit der von dir genannten "globalen Elite" haben, dass mMn aber ein Ausdruck ist, den man besser nicht in den Mund nimmt) einfällt und welches Narrativ sie verbreitet sehen wollen bzw. von welchem sie sich Vorteile versprechen. Weil sie es durch die ständigen Wiederholungen gelernt haben.


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