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Welche positiven Eigenschaften hat der Islam? (Sonstiges)

Nietzsche, Dienstag, 03.11.2020, 10:09 (vor 1887 Tagen) @ Nolte

Mal wieder ein sehr guter Beitrag von Dir! Ich mache mal ein paar Kommentare dran, um aus Deinem neutralen Beitrag eine Meinungsäußerung von mir zu machen. Ich will Dir damit gar nicht widersprechen, sondern nur eine Bewertung anfügen.

1) Erklärung für grundlegende Fragen des Lebens
Früher, aber auch heute noch sind die Religionen für viele Menschen die Basis, um einige der wichtigsten "großen" Fragen des Lebens zu beantworten. Wer sind wir, woher kommen wir, weshalb sind wir hier, wohin gehen wir nach dem Tod? Diese und weitere Fragen sind für viele Menschen für ihr Selbstbild zentral, und Religionen liefern in der Regel auch für Laien verständliche Antworten darauf.

Ein zentraler Punkt. Zu komplizierte Sachverhalte werden weggelogen. Oder das Fragen wird unter Strafe gestellt, damit die Religion nicht in Erklärungsnot gerät.
Es erfolgt jedenfalls keine vernunftgeleitete Aufklärung, sondern systematische Verdummung mit Denkverboten.

2) Umgang mit Kummer und Leid
So ziemlich alle Menschen haben schlechte Phasen und Ereignisse in ihrem Leben. Zerbrechende Beziehungen, Krankheit, Tod geliebter Menschen usw. Religionen können dabei helfen, mit solcherart Kummer umzugehen, weil sie einerseits nach dem Tod eine Erlösung versprechen ("er/sie ist jetzt an einem besseren Ort", siehe Punkt 1) und andererseits auch für die Zeit während des Leids eine spätere "Belohnung" in Aussicht stellen ("Gott hat einen Plan, wir verstehen nur nicht immer jedes Detail").

Damit das funktioniert, muss man sich aber von Wissenschaftlichkeit, logisch korrektem Denken und der Vernunft verabschieden.
Und man entwertet das Leben, wenn man es nur als Vorbereitung auf das Jenseits sieht. Das ist nihilistisch.

3) Gemeinschaftsgefühl
Wir Menschen sind in der Regel sehr soziale Tiere, die nach Gemeinschaften streben. Weshalb sonst kommen wir hier im Forum zusammen... Religionen stiften diese Gemeinschaften in besonders starker Weise. Viele Religionen haben regelmäßige Zeremonien oder andere Anlässe, zu denen viele Mitglieder dieser Gemeinschaft zusammenkommen.

4) Regeln des Zusammenlebens
In Gemeinschaften braucht es Regeln, nach denen in diesen Gemeinschaften gelebt wird. Mindestens die grundlegenden Werte müssen einigermaßen klar sein, beispielsweise, nicht wahllos Menschen zu töten. Religionen liefern Muster für diese Regeln, an die sich aufgrund der angeblichen göttlichen Inspiration auch unhinterfragt gehalten wird. Sie vermitteln eine größere Verbindlichkeit als "nur" von Menschen aufgestellte Regeln.

Zweifellos dient Religion als soziales Gerüst. Allerdings machen Religionen einen ziemlich schlechten Job, denn es kommt immer wieder zu unauflöslichen Streitereien darüber, wie denn die Regeln nun richtig zu befolgen seien. Das eskaliert dann auch gern mal bis zum Bürgerkrieg.
Das ist der große Nachteil der größeren Verbindlichkeit. Man verhindert eine rationale Auseinandersetzung mit den Regeln.

Und Religionen sind furchtbar schlecht in Außenpolitik, da sie alle anderen Systeme zunächst mal als Todfeinde ansehen. Es mag dann Auswege geben, aber die Vernunft hat es in dem Umfeld eben sehr schwer. Der eine oder andere Religionskrieg zeugt davon.

Aber ich bin z.B. sicher, die Lage im nahen Osten wird sich sehr schnell beruhigen, wenn alle Beteiligten erkennen, dass sie ihre Religion einfach nur falsch verstanden haben. Und es wird auch total einfach funktionieren, alle davon zu überzeugen.
Ok, das war sarkastisch. Aber das Beispiel zeigt, dass die "göttliche Inspiration" eine schlechte Idee ist, weil man Irrtümer nicht mehr ausgeräumt bekommt.

5) Machtinstrument
Als weiterer Punkt kommt hinzu, dass diese für Herrscher immer wieder hergeholt werden, um den eigenen Herrschaftsanspruch zu legitimieren. Menschen sind gehorsamer und lehnen sich weniger auf, wenn sie glauben, ihr Gott wolle persönlich, dass diese oder jene Person große Macht besitze.

Wenn man einmal die Vernunft als letztendliche Instanz verhindert hat, geht halt eine Menge.


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