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Ein Genuss +1 (Sonstiges)

Nietzsche, Dienstag, 03.11.2020, 21:30 (vor 1886 Tagen) @ Nolte


Religion ist ja das Gegenteil von rationaler Aufklärung und Bildung. Es geht darum Dogmen zu glauben und Geboten blind zu folgen und immer weiter zu glauben, egal, was man in der Welt vorfindet.

Das meine ich mit dumm machen. Der Gläubige trainiert, seinem Verstand nicht zu trauen.

Religionen stecken voller Widersprüche. Und man kann Trost ja nur dann finden, wenn man die Widersprüche ignoriert.

Ich wollte das nicht als Beleidigung für Gläubige sagen, sondern als eine rein beschreibende Darstellung, welche Gedankengänge man unternehmen muss, damit Religion funktioniert.

Diese Beschreibung der Disposition Gläubiger Menschen greift aber dahingehend zu kurz, dass nicht alle Menschen den Zugang zu Information und die verfügbare Zeit zur Bewertung dieser Infos haben. Sie haben wichtigere Dinge zu tun als ein religiöses gegen ein naturwissenschaftliches Weltbild abzuwägen. Du schreibst ja weiter unten, rational zu sein sei Arbeit. Diese Arbeit können viele schon mangels Zeit nicht verrichten. Es ist Luxus, sich tiefgründig mit sowas beschäftigen zu können, den sich nicht Viele leisten können.

Absolut! Wenn Leute täglich ums Überleben kämpfen, haben sie natürlich keine Zeit und keine Kraft für solche Abwägungen.
Man kann von Menschen in solchen Situationen nicht erwarten, dass sie sich damit auseinandersetzen.
Aber das widerlegt ja nicht die der Religion inhärente Tendenz, Menschen vom vernünftigen Denken abzuhalten und lieber zum blinden Glauben zu führen.

Auf das Leben eines Menschen hat es in der Regel keinen Einfluss, ob er die Erde für flach oder für rund hält. Es gibt wichtigeres praktisches Wissen als dieses, und sich trotzdem damit zu beschäftigen, setzt voraus, dass die elementaren Grundbedürfnisse befriedigt sind.

Das ist wahr. Erst kommt das Essen. Völlig normal.

Wer hier die Schulbildung erhalten hat, sollte zumindest über die grundsätzlichen Prinzipien von Wissenschaft Bescheid wissen.

Mein Abi ist 15 Jahre her und der Lehrplan meines Gymnasiums hätte diesen Ansprüchen vorne und hinten nicht genügt. Ich glaube beispielsweise ehrlich nicht, dass mehr als ein Prozent der erwachsenen deutschen Bevölkerung die Evolutionstheorie auch nur in den oberflächlichsten Grundlagen begriffen hat.

Aber es reicht ja, wenn man verstanden hat, wie Wissenschaft prinzipiell funktioniert. Vorfinden von Daten, Formulierung von Hypothesen, die falsifizierbar sind, experimentelle Überprüfung der Hypothesen, Formulierung einer Theorie.
Alles wird immer wieder überprüft, Experimente sind nachvollziehbar und dann bleibt man so lange dabei, bis jemand eine bessere Idee hat.
Ok, das ist sehr stark verkürzt, aber so ungefähr halt.

Wenn ich davon ausgehe, dass Wissenschaftler sich gegenseitig überprüfen, kann ich Ergebnisse für wahr halten, ohne allzu viel vom Fach zu verstehen. Das ist qualitativ etwas völlig anderes, als an ein religiöses Dogma zu glauben.

Edith: Ich muss die Evolutionstheorie ja nicht verstehen. Es reicht ja, wenn ich die Wissenschaftler für seriös halte. Dann kann ich die Ergebnisse einfach übernehmen.

Was meinst Du mit hinterfragen?
Ich kann ja nicht alle wissenschaftlichen Erkenntnisse wirklich nachvollziehen. Wenn mir ein Physiker sagt, schwarze Löcher haben die Eigentschaft x, dann glaube ich das.
Ich glaube das aber anders als in der Religion, weil ich weiß, dass es sich um eine These handelt, die prinzipiell falsifizierbar ist.

Woher weisst du, dass diese These prinzipiell falsifizierbar ist? Oder genereller gefragt, woher weiss das ein Laie? Und stimmt es überhaupt?

Naja, wenn jemand sagt, die Lichtgeschwindigkeit sei ca. 300.000 km pro Sekunde, dann liegt doch auf der Hand, wie das falsifizierbar ist (jemand misst noch einmal nach).
Wissenschaftliche Erkenntnisse sind ja von solcher Form, dass sie prinzipiell widerlegbar sind. Man kann Sachen messen oder ausrechnen oder durch Experimente überprüfen.

Wer kann Hypothesen und Gedankenspiele von belegten Phänomenen unterscheiden, ohne sich mit der Materie auszukennen?

Jeder, der sich hinreichend damit beschäftigt und generell in der Lage ist, den jeweiligen Sachverhalt zu verstehen. Das führt natürlich wieder auf das obige Problem, wenn Leute ums Überleben kämpfen.

Vor allem gibt es sehr viele Beispiele von Wissenschaft, die einen gewissen Vertrauensvorschuss rechtfertigen. Flugzeuge fliegen, Operationen gelingen, Computer funktionieren usw. Da scheint schon eine Menge zu stimmen.
Hinzu kommt, dass die Wissenschaft die großen Irrtümer nicht verschweigt, sondern herausstellt. Einstein gilt als Held dafür, die Physik erweitert zu haben. Diese Revolutionen werden als größte Errungenschaften gesehen.
Wenn ich von Leuten aus so einem Umfeld etwas gesagt bekomme, das ich inhaltlich nicht überprüfen kann, kann ich ihnen mit gutem Grund zunächst mal glauben. Letzte Sicherheiten gibt es in der Wissenschaft ja sowieso nicht.


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