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Man sollte sich nicht an Merz abarbeiten (Politik)

SgtJohnson, Sonntag, 20.09.2026, 22:55 (vor 17 Stunden, 57 Minuten) @ FourrierTrans


Da gebe ich dir recht. Wobei man aber deutlich sieht, dass sich in den letzten 5-10 Jahren in der deutschen Gesellschaft ein massiver Gegendruck, gegenüber diese Art der Sozialisierung bahngebrochen hat. Man will diesen Schwachsinn nicht.

Aber ich gebe dir recht, ich muss auch immer herzlich lachen, wie man jetzt hochnotpeinlich versucht, die jungen Leute wieder für "das Feld Ehre" zu begeistern und für das Vaterland zu sterben, man aber bei der EM 2024 in Berlin noch der Polizei verbieten wollte, Deutschlandfähnchen an Fahrzeugen/Mopeds mitführen zu dürfen. Einfach komplett gaga. Gagaismus in Reinform.

Ich habe mal ein sehr interessantes Paper darüber gelesen, dass im Prinzip der 2. Weltkrieg der Hauptgrund dafür war, dass überall auf der Welt (besonders in den USA unter FDR) die Besteuerung von hohen Einkommen historisch ohne jeden Vergleich so angezogen werden konnte und es die nach dem Krieg weiter bestehende patriotische Einstellung von Politikern und Wirtschaftsführern war, die es erlaubte, die Steuern so hoch zu lassen. Viele haben hohe Einkommenssteuern als patriotischen Ersatz für das Opfern von nochmal zwei Söhnen im nächsten Weltkriege begriffen und hohe Steuern als Pflicht dem Staat und der Gemeinschaft gegenüber gesehen.

Die schrittweise Abschafftung von Höchssätzen zwischen 70-95% ging dann im Prinzip einher mit dem Austausch des Gedankens einer nationalen oder "Volkswirtschaft" durch den neoliberalen Wirtschaftsgedanken und den radikalen Individualismus in der Gesellschaft. Es gibt doch heute bei Volkswagen oder Mercedez keine Sau mehr, die Ihre Entscheidungen vom Wohl der deutschen Wirtschaft abhängig macht. Man bleibt halt noch so lange hier, bis die einstmals guten Standortbedingungen endgültig erodiert sind und die Kosten eines Standortwechseln noch marginal höher sind, als der Verbleib. Irgendwann werden Sie dann aber alle den Weg von Bosch, Continental und VW gehen oder sitzen das hier alternativ ruhig bis zur Insolvenz aus.

Das LAG war damals meiner Ansicht nach ein gutes Gesetz. Meiner Einschätzung nach haben wir heute aber eher ein paar Millionen Menschen weniger, deren Häuser und Existenzen komplett zerbombt wurden. Außerdem würde uns diesmal auch ein Marshall Plan im Rücken fehlen, der uns dabei helfen würde, die Belastungen auf der anderen Seite durch entsprechende Wachstumskredite auszugleichen. Ganz im Gegenteil blieben wir ja trotz Allem weiter der größte Nettozahler der EU


Haste recht. Häuser besitzt heute fast keiner mehr oder Wohnraum. Deutschland liegt ja EU-weit auf dem vorletzten (?) Platz, was Wohneigentum angeht. Welche Existenzen Leute haben, die die Hälfte ihres Einkommens für Wohnen ausgeben, bleibt auch fragwürdig.


Woran liegt es denn, dass die Deutschen so wenig Eigenheime und Medianvermögen besitzen, selbst im Vergleich zu wirtschaftlich noch schwächeren Ländern? Natürlich ist euch der teure Wohnraum eine Variable, aber gewichtiger wird wohl sein, dass es außer Belgien kein entwickeltes Land gibt, in dem die Menschen mehr von Ihrem Lohn abdrücken müssen. Diese Misstände wirst du nicht durch eine einmalige Enteignung von Konzernen erreichen, die schon beim ersten Wind von sowas noch schneller hier weg sind.


Unter anderem, weil die Besteuerung von Arbeitseinkommen extrem ist, in Deutschland. Also bei denjenigen, die für ihr Geld arbeiten müssen. Sogar deutlich extremer, als in den USA, beispielsweise. Zudem kann man in Deutschland einfach vor der Steuer fliehen, wenn man vermögend genug ist. In den USA ist das an der Staatsbürgerschaft gebunden, wer nicht blecht, fliegt raus. Und selbst wenn er am Luzerner See lebt.
Alles auch eine Frage der Gesetzgebung und des Willens.

Ja, wie gesagt, außer Belgien gibt es niemanden der Arbeitseinkommen im Schnitt so stark besteuert, wie wir und da kauft es sich die Eigentumswohnung eben nicht so leicht, wenn man monatlich den größten Teil in die so nicht mehr zu rettenden Sozialkassen einzahlen muss. Einfach den Reichen was wegzunehmen, löst gar nichts und wird ohne ganz grundlegend anderen Gestaltungsanspruch Alles nur noch schlimmer machen. Im Prinzip dreht sich jede Diskussion nur noch darum, wie man den Laden vielleicht ein bis zwei Jahrzehnte länger vorm Auseinanderfliegen bewahren kann, aber nach Schröder gab es keinen führenden Poltiker mehr, der sich auch nur mit der Kneifzange an notwendige Strukturreformen herangetraut hat.


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