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Brandmauer als taktischer AfD-Beschleuniger? (Politik)

stfn84, Köln, Montag, 21.09.2026, 08:55 (vor 18 Stunden, 12 Minuten) @ Didi

Merkel hat es verstanden, dass die Machtoption der CDU daran hängt "in die Mitte" zu gehen. Das hat damals schon viele "Stamm"-Wähler der Union verprellt, aber es gab wenig offensichtliche Kritikpunkte - vor allem dank steigender Wirtschaftsleistung. Im Nachgang zu 2015 und der nunmehr länger anhaltenden Rezession werden sich aber vermutlich noch einige andere CDU Wähler gedacht haben, dass man doch lieber die AfD wählen sollte.

Die Wählerschaft der AfD ist leider diverser als man sich das wünschen würde. Es sind offensichtlich nicht nur Nazis. Es sind auch nicht nur Nazis und Leute denen das alles egal wäre. Auch wenn man selbstverständlich die Wählerschaft so charakterisieren darf, dass sie es zumindest in Kauf nehmen eine rechte / in teilen rechtsextreme Partei zu wählen und ihr zur Macht zu verhelfen.
Selbstverständlich wird die Schnittmenge der heutigen AfD Wähler die früher CDU wählten höher sein als jene mit Vergangenheit bei SPD, Linken oder Grünen. Aber auch aus diesen Milieus wählen Menschen die AfD. Womöglich auch, weil sie mit den immer gleichen Phrasen der Parteien gebrochen haben und denen schlichtweg nicht mehr glauben (wollen).

Ich habe jahrelang geglaubt, dass es schon nicht so schlimm werden wird - man wird die AfD nur "bekämpfen" müssen und dann wird sich das schon alles regulieren.
Das war offenkundiger Quatsch.
Die Abgrenzung zur AfD ist deshalb nicht falsch. Die Verteufelung der Partei als einzige Option zu verfolgen, AfD Wähler zu diffamieren und nicht nur auf die inhaltlichen "Probleme" hinzuweisen, ist mE aber eben gescheitert.

Man hat Mehrheiten gebildet um die AfD zu verhindern. Bessere Politik kam dabei aber zu selten herum.
Es hilft offenkundig nicht, dass man direkt sagt "mit denen reden wir nicht". Womöglich wäre es besser lediglich darauf hinzuweisen, dass man aufgrund der Inhalte 1-292 vermutlich nur schwer zu einander finden wird.

Die Wähler haben z.B. in Sachsen-Anhalt entschieden, dass die AfD regieren soll. Also bitte, soll sie den Versuch unternehmen nun Mehrheiten zu organisieren. Ich glaube zwar nicht, dass sich die AfD dadurch kurzfristig entzaubert, aber was soll die Alternative sein? Ein ad hoc Parteienverbot?

Wir haben es uns abgewöhnt ehrlich miteinander zu reden. Klimaschutz und diesbezügliche Maßnahmen sind essentiell. Aber sie kosten uns Geld und möglicherweise wird nicht jeder zu jedem Zeitpunkt dadurch reicher. Analog dazu müssen die Sozialsysteme reformiert werden.
Das wird man nicht nur damit finanzieren können einfach den "Reichen" das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es braucht nicht nur (steigende) Einnahmen, es braucht auch sinkende Ausgaben. Aber wo wollen wir was streichen? Jedwede Idee wird direkt zerredet, kritisiert und als ungerecht oder undurchführbar gebrandet. Die Rente mit 63 ist aus Sicht vieler ungerecht - auch wenn sie volkswirtschaftliche Schäden anrichtet. Aber es gibt da eben einen Dachdecker der mit 64 vom Dach fallen würde, oder oder oder...
So wird es keiner Partei gelingen, egal von wem sie geführt wird, dauerhaft gute Politik für unser Land zu machen oder die AfD dadurch klein zu halten.

Das mögliche Ende der politischen Karriere des Friedrich Merz könnten "wir" - bzw. all jene die nicht die AfD als wählbare Option betrachten - noch sehr teuer bezahlen.
Aber das müssten wir dann eben aushalten, auch wenn es einem nicht gefällt. Demokratie eben.


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