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FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Donnerstag, 15.08.2024, 18:56 (vor 524 Tagen) @ Scherben
bearbeitet von FourrierTrans, Donnerstag, 15.08.2024, 19:07

Ist halt vor allem auch bescheuert, sein Mobilitätsverhalten an wenigen Extremfällen auszurichten.

Wir wurden letztens mal schräg angeguckt, als ich erzählte, dass wir im Carsharing für eine Fahrt Kiel-Hamburg-Kiel samt ein paar Stunden Aufenthalt an die 100 EUR bezahlen. Das sei mit einem eigenen Auto viel günstiger. Dass man sowas aber nur wenige Male im Jahr macht und dafür die Kosten für Anschaffung und Wartung des eigenen Autos wegfallen, wird geflissentlich ignoriert. Passt ganz gut zu Deinem Beispiel. Wenn man beruflich jeden Tag 1000km fahren muss, geht natürlich nur der Verbrenner. Aber wer macht das schon?


Die Frage wäre, warum machen dann nicht alle Menschen Carsharing? Letztendlich haben alle Kunden ein Lastenheft, ob sie es so nennen oder unbewusst berücksichtigen.

Und jeder normale Kunde wird da wahrscheinlich als erstes die Kosten als Rahmen haben, dann die Leistung.


Unabhängig vom Carsharing, was ja wirklich nicht in jedem Setting funktionieren kann: Ich habe das Gefühl, dass bei manchen Themen die Ratio völlig ausgeschaltet wird. Haus, Auto, Urlaub: Da wird gefühlt so oft den eigenen Bedürfnissen und den Kosten vorbei agiert, dass mir wirklich schwer fällt, rationales Handeln zu unterstellen.

Auto: eines der verheerendsten Anschaffungen, die man tätigen kann. Ist ein Gebrauchsgegenstand und kann, je nach Marke, Unmengen an Geld verschlingen. Da wo es möglich ist, wird jeder nicht masochistisch veranlagte Mensch in Ballungsgebieten darauf verzichten. Von meinem besten Kumpel die Mutter wohnt im Dortmunder Süden und hat seit 30 Jahren kein eigenes Auto mehr besessen. Warum? Sie hat bei der damaligen VEW gearbeitet und ist jahrzehntelang mit der U-Bahn täglich zur Arbeit gefahren. So wie es alle Menschen tun, wo sowas möglich ist. Der Rest ihres sozialen Lebens läuft größtenteils in Dortmund ab. Das ist ja alles nichts neues, auf das die Menschen erst noch hingewiesen werden müssten. Viel mehr ist die bittere Realität, dass diese ÖPNV-kompatiblen Wege eine Ausnahme sind. Teilweise sogar in Großstädten. Ich habe lange im Kreuzviertel gewohnt und damals in der Recklinghäuser Gegend gearbeitet. Mit dem Auto, trotz katastrophalen Verkehr, 25 Minuten Fahrtzeit. Mit ÖPNV war die Option zwischen drei Umstiege und 59 Minuten reine Fahrzeit oder 2 Umstiege mit 65 Minuten Fahrtzeit. Plus 3-4 Minuten Fußweg zum Schluss. Und das, obwohl ich einen relativ überschaubaren Weg in dem größten Ballungsgebiet Deutschlands zurücklegen wollte.
Die Story vom "bequemen Autofahrer" fliegt meist nicht wirklich. Einfach weil niemand gerne in dieser Blechbüchse sitzt, wenn er zeitgleich auch in einem autonom fahrenden Vehikel dösen könnte.

Wozu das Produkt "Auto" aber dient: unabhängig davon, ob man es nun braucht oder nicht, kann man daran sehr gut ablesen, wie stark die Kostenschere auseinandergangen ist. Noch vor 30 Jahren wäre das alles gar kein echtes Kostenthema gewesen, 80% der Foren-User hätten sich einfach einen Jahreswagen gekauft und gut ist. Bei nicht wenigen Deutschen war auch ein Neuwagen stets hoch im Kurs, ohne sich kostentechnisch zu verausgaben oder mit Leasing zu hantieren.

Haus: Eine Frage des Lebensstils. Worüber man debattieren kann und vielleicht muss, ist die stets zunehmende Wohnfläche. Für mich unverständlich, warum sich viele derart große Wohnflächen schaffen. Die Frage ob Wohnung und Stadt oder Haus und meistens dann Land (weil sich ein Haus in direkter Großstadtumgebung eh keiner mehr leisten kann, der nicht in der Geburtslotterie gewonnen hat) ist eine elementare Wesensfrage. Bevor ich noch mal in eine Großstadt zöge, würde ich eher ins tiefste Brandenburg/Thüringen/Sachsen ziehen. Oder in die Lüneburger Heide. In einem Großstadt-Umfeld und dem, zumindest so wie ich es über 10 Jahre erlebt habe, Leben auf engstem Raum mit unzähligen Menschen, würde bei mir ernsthafte depressive Zustände hervorrufen. Unabhängig vom im Wesen, den Menschen und im Alltag gänzlich unterschiedlicher Umgebung "Dorf" und "Großstadt".

Urlaub: Ist grundsätzlich tendenziell sehr stark ausgeprägt in Deutschland. Viele geben auch relativ hohe Summen ihres Budgets dafür aus. Für mich unverständlich, aber auch eine zunehmend ansozialisierte Handlung der Deutschen. Hat man sich von den Amerikanern abgeschaut. Handys, Autos, Urlaube, TVs. Alle mögliche wird heute finanziert, was die Gesellschaft vor 40 Jahren noch als völlig abwegig bewertet hätte. Auch ein Grund dafür, warum der Konsumrausch weiterhin funktioniert, obwohl die Buying Power in Deutschland bei vielen längst nicht mehr gegeben ist.


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