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Bayern: Eine Niederlage mit mehreren Vätern (Spieltage)

Will Kane, Saarbrücken, Sonntag, 11.02.2024, 02:24 (vor 20 Tagen) @ Thomas

Die eindeutige Niederlage der Bayern heute hat mehrere Väter.

Den Trainer, die Mannschaft/diverse Spieler, das Clubmanagement der letzten drei Jahre.

Im Prinzip war das zumindest teilweise in der letzten Spielzeit z.B. bei der Niederlage in Leverkusen auch nicht viel anders. Ein nicht unwesentlicher Unterschied zu dieser Saison jedoch ist, dass die Bayern weniger Punkte hatten, es aber nicht mit einem bislang ungeschlagenen und punktemäßig auf einem Kurs deutlich jenseits der 80 befindlichen Meisterschaftskonkurrenten zu tun hatten.

Würden die Pillen nicht eine so alles überragende, sondern eine eher für Leverkusen ‚normale‘ Saison spielen, wären die Bayern trotz der einen oder anderen Niederlage und diversen Unstimmigkeiten klar auf Meisterschaftskurs. Und das obwohl Tuchel mit einem Kader arbeiten muss, der zwar durchaus eine Startelf mit vielen Klassespielern ermöglicht, aber auch sehr klein und vor allem unausgewogen ist. Was nicht nur, aber sehr stark vom Clubmanagement in der letzten Sommertransferphase mitzuverantworten ist, allen voran vom Paten vom Tegernsee. Auch im Wintertransferfenster konnte man die Fehler vom Sommer nicht korrigieren (was ohnehin nur sehr selten gelingt), sondern lediglich auf neuhinzugekommene verletzungsbedingte Ausfälle reagieren.

Hinzu kamen die Abstellungen zu den Kontinentalwettbewerben in Afrika und Asien, denen man fahrlässigerweise in der Saisonplanung zu wenig Gewicht zugemessen hatte.

Kaum in den englischen Wochen angelangt, ging es dann auch schon los mit den verletzungsbedingten Ausfällen, gerade auf den neuralgischen, personell äußerst knapp besetzten Positionen. Tuchel hat diese Situation im Prinzip sehr gut gemeistert, musste Spieler positionsfremd einsetzen, fand aber taktisch und positionell meistens funktionierende Lösungen. Bis zum heutigen Spieltag, der seinerseits ein Spieltag der gesammelten Fehlentscheidungen war.

Dabei waren seine Lösungsansätze theoretisch durchaus nachzuvollziehen, praktisch jedoch höchst risikoreich und wie sich schnell herausstellte schlicht falsch.

Offensichtlich erwartete Tuchel die Pillen offensiv und wollte wohl selbst aus einer verstärkten Defensive heraus eher kontermäßig agieren. Nur tat ihm Alonso diesen Gefallen nicht. In der Anfangsphase zog sich Leverkusen zurück und überließ den Ball den Bayern. Die damit bei einer Aufstellung von nur drei wirklichen Offensivspielern überfordert waren. Leverkusen stand kompakt und ließ keinerlei Räume zu.

Wenn die Pillen dann mal einen ballführenden Bayernspieler attackierten, wurden umgehend große individuelle Unsicherheiten in der Bayerndefensive sichtbar. Was auch nicht verwundern sollte, wenn man zum ersten Mal in der Saison in einer Dreierkettenformation spielt, dafür die vorher funktionierende Viererkette auflöst und zudem personelle Veränderungen vornimmt.

Offensichtlich wollte Tuchel dem Tempo der Leverkusener vor allem auf den Flügeln etwas entgegensetzen, auch weil mit Davies sein schnellster Spieler nicht zur Verfügung steht. Vielleicht wollten auch die übliche Formation der Leverkusener spiegeln, um sie so eher aus dem Spiel nehmen zu können.

de Ligt mag langsamer als seine Innenverteidigerkollegen sein, statt seiner aber einen gerade aus einer Verletzung kommenden Upamecano oder einen vom Asien-Cup kommenden quasi gerade aus dem Flieger gestiegenen Kim auflaufen zu lassen war schon mit hohem Risiko verbunden.

Dazu spielte die Neuverpflichtung Boey in seinem ersten Startelfspiel im ersten Spiel des Teams mit einer Dreierkettenformation als Flügelläufer auf der linken Seite und nicht auf der gewohnten rechten Seite, obwohl der dort spielende Mazraoui in der Nationalelf Marokkos links spielt. Was zu Desorientierungen bei Boey führte, wie beim 1:0 deutlich zu sehen war.

Das Spiel war im Prinzip nach diesem 1:0 gelaufen, weil die Pillen kompakt standen und die Schwächen der Bayern schnell, sicher und gezielt bespielten, die Bayern in der Defensive unsicher blieben und im Spiel nach vorne jegliche Kreativität, aber auch eine funktionierende Struktur vermissen ließen. Kane hing völlig in der Luft, Sané leistete sich einen Fehlpass nach dem anderen, Goretzka erwies sich heute wieder einmal als ‚Invisible Man‘. Auch die Aus-/Einwechselungen brachten keine prinzipiellen Änderungen, nur der Seitenwechsel Mazraoui - Boey erwies sich als etwas stabilisierend.

Aber es ist beileibe nicht nur der Trainer für diese Niederlage verantwortlich. Das Team auf dem Platz wirkte einmal mehr in einer schwierigen Situation ohne Führung, wie schon in der letzten und auch der vorletzten Saison. Der Club muss sich fragen, ob er diesbezüglich auf die richtigen Spieler gesetzt hat. Überdies kann man auch den Hunger auf das Siegen verlieren, wenn man fast immer gewinnt.

Das Clubmanagement sollte sich fragen, warum Leverkusen über einen Kader verfügt, der es erlaubt, fast jeden Ausfall zumindest einigermaßen gleichwertig zu ersetzen und Bayern mit jedem Ausfall bereits in die Bredouille kommt.

Wie gesagt, diese Niederlage heute hat mehrere Väter.


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