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Danke (Politik)

markus, Donnerstag, 02.04.2026, 13:46 (vor 1 Tag, 6 Stunden, 6 Min.) @ FourrierTrans

Mindestlohn, schön und gut, betrifft nur einen Teil der Gesellschaft. Einen Großteil der Arbeiterklasse (die es heute auch noch gibt, nur in einem anderen Gewand) betrifft das nicht so richtig und es ist an und für sich schon ein Skandal, wie groß der Niedriglohnsektor im ultrareichen Deutschland ist.


An der Stelle drehen wir uns jedes Mal im Kreis: Das ist Sache der Tarifparteien und nicht der Politik. Und auch hier verstehen viele nicht, dass eine Gewerkschaft nur dann gut – oder überhaupt – verhandeln kann, wenn genügend Beschäftigte im jeweiligen Betrieb organisiert sind.


Das ist kein Muss, siehe Lastenausgleichsgesetz von 1952.


Das ist ein völlig anderes Thema. Das Lastenausgleichsgesetz war ein staatlicher Eingriff in Vermögen, keine Regelung von Löhnen oder Arbeitsbedingungen durch Tarifparteien.


Mir kommt es auf das Ergebnis an und was sich bei so fundamentalen Themen auf privatwirtschaftlicher Ebene nicht lösen lässt, sollte sich mMn der Staat annehmen. Schon alleine, um sein Überleben langfristig zu sichern. Wäre eine verbesserte Vermögens- und im zweiten Schritt dadurch automatisch auch Chancengleichheit mit so einem Eingriff möglich oder nicht?

Wer kein Mitglied ist und auch nicht werden will, sollte sich deshalb mit Kritik zurückhalten. Damit trifft man die Entscheidung, die eigenen Arbeitsbedingungen individuell auszuhandeln – mit allen Konsequenzen, einschließlich der Möglichkeit, dass der Arbeitgeber die Bedingungen weitgehend vorgibt und das eigene Niveau immer weiter sinkt, da ringsherum mehr passiert.


So sehr ich dich da unterstütze, was das Thema Gewerkschaft angeht, so sehr bemitleide ich da teilweise das aktuelle Auftreten. Ich beobachte sehr genau die Politik und Vorgänge einiger regionaler IGM Geschäfsstellen in NRW und mir fällt auf, wie weit sie davon entfernt sind, das Erbe als Kämpfer für die Arbeitnehmer/innen zu wahren und wie oft sie (ebenso wie der BR) als besseres Sprachorgan der Arbeitgeberseite auftreten. Meiner Meinung nach, aber ich will das nur als Beobachter beschreiben, ohne den handelnden Personen etwas vorzuwerfen, weil ich ja selbst am Ende auch nicht aktiv bin, dahingehend.


Das sind Thesen, die gerne von Arbeitgebern und anderen Gegnern gestreut werden – und dummerweise von einigen Arbeitnehmern übernommen werden. Mit anderen Worten: Diejenigen, die eintreten sollten, um ihre eigene Situation zu verbessern, fallen genau darauf herein. Am Ende ist es nämlich so: Tarifkommissionen werden gewählt, und dort können neben den hauptamtlichen Personen auch Mitglieder aus den Betrieben mitwirken.


Ich sehe nur welche Forderungen und Zugeständnisse von Seiten der IGM und BR so gemacht werden und ich frage mich da regelmäßig, ob das jetzt noch Arbeitnehmervertretung ist, oder doch schon Arbeitgeberlobbyismus. Das hat an der Stelle jetzt gar nicht so richtig was mit Thesen zu tun.


Aktuell verschwinden grade in der Industrie jede Menge Jobs. Glaubst du, da könnte die IGM sich hinstellen und 15% fordern? Oder was immer dir vorschwebt? Und grade im Bereich Autoindustrie,Maschinenbau etc. gibt es wahrlich keine schlechten Löhne und Arbeitsbedingungen.


Ja genau. Egal welche Zugeständnisse Politik (im Zuge von maximaler steuerlicher Erleichterung) oder Gewerkschaft (ja gut, machen wir eine Nullrunde, aber bitte nicht ganz so viele Stellen abbauen) machen, die Jobs werden ohnehin vom Großkapital seit ~10 Jahren aus Deutschland abgezogen. Obwohl die Bilanzen und die Geldbeutel der Großanteilseigner seitdem in keinster Weise schlechter oder kleiner geworden sind.
Von daher wäre mein Wunschdenken, dass Gewerkschaften wieder den Modus ihres Ursprungs annehmen und ein Gewaltmonopol für sich beanspruchen. Ich würde jetzt einem VW AR ganz konkret sagen:

"Ihr könnt das so machen, auf wundersamerweise 6 Mrd. Euro im letzten Monat des FYs finden und damit wundersamerweise die Schwelle 5,5 Mrd. Euro überschreiten, die notwendig ist, um Top-MM und Anteilseignern die maximale Boni/Dividende zu zahlen (ich bin da nah genug dran und weiß sehr genau, welche Verrenkungen da operativ gemacht wurden, um diese 6 Mrd. buchalterisch hinzubekommen), während ihr parallel weitere 35.000 Mitarbeiter/innen bei der Marke VW streichen und im Ausland wieder aufbauen wollt, aber dann werden wir hier anfangen, euer Betriebsvermögen auf deutschem Boden dem Erdboden gleichzumachen, also vice versa, Gewaltmonopol wörtlich zu nehmen".


Die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/insgesamt.html

Sprich: Es werden mehr Stellen geschaffen als abgebaut.

Man kann nicht einmal behaupten, dass gut bezahlte Jobs wegfallen und nur niedrig bezahlte dazu kommen. Dafür hat sich das Medianeinkommen zu gut entwickelt.

Wie jammern hier einfach auf verdammt hohem Niveau. Warum zum Henker machen wir das?


Die Statistik sagt aber nichts über die Gehaltsqualität der neu geschaffenen Jobs aus, wir haben einen der größten Niedriglohnsektoren Europas.
Seit Corona sind in Deutschland 266.000 Industriejobs "ersatzlos weggefallen". In welcher Industrie wurden Jobs auf diesem Gehaltslevel aufgebaut?

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/266-000-industriejobs-weg-unternehmen-kaempfen-mit-sinkenden-umsaetzen-und-exportrueckgaengen-110838877.html

Das Medianeinkommen ist im Kontext von Kostensituation und Inflation nicht wirklich rosig.
Es ist eher so, dass immer mehr Deutsche im Dispo leben und keinerlei Rücklagen haben.

https://www.ifo.de/publikationen/2025/monographie-autorenschaft/how-consumers-have-managed-multicrisis-evidence-across

Der Reallohn liegt allerdings heute auch höher als vor zehn Jahren.

https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Realloehne-Nettoverdienste/Tabellen/liste-reallohnindex.html#134650

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_068_62321.html

Dass Menschen immer mehr Kredite benutzen, um sich eine PS5, einen neuen Fernseher oder andere Dinge zu kaufen, hat ganz häufig was mit fehlender Selbstdisziplin zu tun.


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