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Ist ein Werksclub immer ein Plastikclub? Nein, aber... (Fußball allgemein)

Ravenga @, Wanne-Eickel, Wednesday, 13.10.2021, 06:41 (vor 3 Tagen) @ Goalgetter1990
bearbeitet von Ravenga, Wednesday, 13.10.2021, 06:49

Um zuerst die Frage aus dem Betreff zu beantworten: Nein. Carl Zeiss Jena wurde auch als Werkverein gegründet und niemand käme auf die Idee, die als Plastikclub zu bezeichnen. Im Gegenteil finde ich das eigentlich sogar sympathisch und identitätsstiftend, gerade hier im Ruhrgebiet. Der BVB hatte ja beispielsweise auch eine historisch enge Verbindung zum Hoesch-Konzern und den Dortmunder Brauereien.

Bayer Leverkusen ist diesbezüglich ein Sonderfall, denn die haben sich vom Werks- und irgendwie auch Traditionsverein zum Plastikclub gewandelt. Bis sich die Bayer AG Mitte der 90er entschloss, Uerdingen abzustoßen und sich voll auf Leverkusen zu konzentrieren, war der Geldfluss zum TSV Bayer 04 nicht besonders groß und weit vom Sugar Daddy-tum heutiger Tage entfernt. In dieser Zeit konnten sie ironischerweise ihre einzigen Titel (UEFA-Cup, DFB-Pokal) feiern. Auch entstand die erste Ultragruppierung Deutschlands - ausgerechnet, müsste man heute wohl sagen - in Leverkusen. Es ist ein bisschen wie mit Manchester City: Bis zum Geldcheat war es sportlich ein stetiges Auf und Ab und man war national eine kleine Nummer, hatte aber eine stabile lokale Fanszene, welche all das erzählen konnte, was einen Traditionsverein ausmacht: Aufstiegsglück, die ein oder andere Titelfeier, aber eben auch lange Jahre grauen Mittelmaßes und Abstiege. Dann begann der Geldfluss enorm zu steigen und man konnte durch diesen enormen Vorteil die Prinzipien des sportlichen Wettkampfs ausschalten, insofern kann auch ein ehemaliger Traditionsverein zum Plastikclub verkommen, wenn man plötzlich enorme finanzielle Mittel hat, die man so durch normales Sponsoring nie selbst hätte erwirtschaften können. Das gilt insbesondere für englische Clubs, aber eben auch für Bayer Leverkusen. Wäre auch beim BVB nicht viel anders, wenn er sich jetzt einen reichen Gönner anlacht und dann plötzlich reihenweise Meisterschaften abräumt und den europäischen Größen Konkurrenz macht.

Der VfL Wolfsburg ist dagegen als "Quasi-Werksclub" einfach ein besonders kleines Licht, der bis zum Finanzboost der Volkswagen AG noch nichtmal nennenswerte lokale Bedeutung hatte. Die bekamen erst durch VW ihren Platz an der Sonne, ähnlich wie Hoffenheim durch den letzten echten Fußballfan™, nur etwas langsamer und nicht ganz so brutal. Während Leverkusen sich zwischen den ganzen Clubs um sie herum (1.FC Köln, damals auch noch Fortuna Köln, Fortuna Düsseldorf, Wuppertaler SV und den Ruhrgebietsclubs) eine Nische finden und sich eine zwar kleine, aber loyale Anhängerschaft aufbauen konnte, hatte der Club aus der Stadt des KdF-Wagens nie eine nennenswerte Fanbasis, denn da sind die Leute bis in die 90er fast ausschließlich nach Hannover oder zum BTSV gepilgert. Die regionale Bedeutung des VfL Wolfsburgs war damals mit der des SC Verl heutzutage vergleichbar, also nicht erwähnenswert. Der sportliche Aufstieg kam erst mit den großen VW-Investitionen und mit ihnen ein gewisses Zuschauerinteresse.

Das Thema ist also durchaus vielschichtig und nicht so einfach zu bewerten.


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