schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
A- A+
schwatzgelb.de das Fanzine rund um Borussia Dortmund
Startseite | FAQ | schwatzgelb.de unterstützen
Login | Registrieren

Wird Maduros Vize Delcy Rodriguez seine Nachfolgerin? (Politik)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Sonntag, 04.01.2026, 13:52 (vor 4 Tagen) @ Pa1n
bearbeitet von FourrierTrans, Sonntag, 04.01.2026, 13:58

Auf der einen Seite bezieht er sich häufig auf Carl Schmitt und ist sich mit ihm einig bei der Zerstörung demokratischer Strukturen, auf der anderen Seite ist er ein Ultra-Libertärer und Fan der individuellen Freiheit, was er auch im privaten Leben selbst lebt, was aber im krassen Gegensatz steht zur rechtsradikalen Denke vom völkischen Nationalismus und wie dieser über Familie und Nation denkt. Er ist ein homosexueller "Anywhere", was im Grunde den tiefsten Hass und Ablehnung der ursprünglichen ideologischen Rechten hervorrufen würde. Ein Carl Schmitt oder vermutlich auch ein Ernst Jünger würden Peter Thiels Lebensstil abgrundtief verachten.


Homosexuelle Rechtsradikale sind nun wirklich nichts Neues. Ernst Röhm, Michael Kühnen oder Alice Weidel fallen mir da auf die Schnelle ein.

Zudem, und da wiederhole ich mich, gibt es zahlreiche Spielarten des Rechtsradikalismus. Man darf sich nicht auf die verengen, die in Deutschland von 1933 bis 1945 an der Macht war.


Die ideologischen Wurzeln des Rechtsradikalismus liegen im späten 19. Jahrhundert. Davor war das politische und gesellschaftliche Denken im Grunde exklusiv konfessionell, ständisch und/oder dynastisch.
Peter Thiels Fokus auf das Leben als "Anywhere" ist auf jeden Fall zumindest in dieser Komponente das komplette Gegenteil von dem, was rechte Ideologien zu jeder Zeit und in jeder Spielart für eine Gesellschaft wollten. Es gab zu keiner Zeit eigentlich keinen Aspekt, den rechte Ideologien mehr verachtet haben, als den "wurzellosen Anywhere", der ganz elementarer Teil von Thiels Ideen ist. Wenngleich es natürlich Leute wie Röhm gab oder heute Weidel, die sich insgeheim oder offen irgendwie drumherum lavieren, Beispiel Homosexualität. Genauso wie es in einer tiefgläubigen Gesellschaft auch amoralische Sünder gibt. Was nichts an den Kernideen einer Ideologie ändert.

Thiel ist primär ein intellektueller und finanzieller Architekt der anti-demokratischen Transformation der USA, die sich als technologisch-liberale verpackt. Würde ich sagen.


Kennst du den Podcast "Die Peter Thiel Story" vom Deutschland Funk?


Nur von gehört, bzw. auch schon einige Inhalte konserviert bei "Die Neuen Zwanziger" von Wolfgang M. Schmitt erklärt bekommen. Ich weiß nicht, ob ich mir sowas in Gänze geben kann. Sollte man?


Ich kann es nur empfehlen, könnte deine Sicht auf Thiel verändern. Sind "nur" 6 Folgen à ca 30 Minuten (ist aberwitzig wenig, verglichen zu anderen Podcasts, die ich höre :-D )

Danke erst einmal für den Hinweis. Dann mache ich das mal, bald stehen ja wieder Dienstreisen an, dann habe ich genügend Zeit. :-)

Inwiefern glaubst du, könnte das der Fall sein?
Über die Art und Weise wie Thiel selbst lebt (nicht auf seine Sexualität bezogen) und wie er grob über das gesellschaftliche Leben als "Anywhere" denkt, weiß ich bescheid. Und in dem Punkt ist er halt einfach das komplette Gegenteil von dem, was rechte Ideologen und Denker sich gewünscht haben. Ich habe mich, als ich noch nicht für das Großkapital buckeln musste, mal etwas intensiver mit den Schriften von Schmitt, Jünger und Spengler beschäftigt, neben einigen linken Denkern. Wenngleich Thiel sehr viele rechtsradikale Wesenszüge aufweist, wäre dennoch seine Idee vom "gesellschaftlichen Leben" und wie er es selbst lebt ohne Frage die größte und unüberbrückbare Differenz zu rechtsradikalen Ideologen. Man darf nicht vergessen, was heute oft als Links oder Rechts betrachtet wird, ist oft im Kern nicht wirklich richtig. Viele Rechtsradikale beschimpfen ja die Grünen als Linksradikale, wohingegen die Grünen nahezu nichts mehr gemein haben, mit ursprünglichen linken Ideen.

Interessant ist beispielsweise auch, wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg über Gesellschaft, Deutschland und Ordnung dachte. Ich finde ihn als Person und Lebenswerk wirklich sehr interessant und habe zahllose Bücher und Biografien über ihn verschlungen. Wenn ich aber jedes Jahr im Juli die Laudationes über ihn in Berlin höre, die er ohne Frage meiner Ansicht nach verdient hat, muss ich immer daran denken, dass er und der George Kreis definitiv ganz andere Ideen für ein Deutschland hatten, als es heute ist. Das wird da in der Öffentlichkeit beispielsweise auch völlig falsch dargestellt, so als hätte sich Stauffenberg für das demokratische Deutschland geopfert, was wir heute haben.
Was ich damit sagen will: es gibt sehr viele Missverständnisse, leider auch teilweise schon im Wording, wenn Menschen von Links oder Rechts sprechen.


Antworten auf diesen Eintrag:



gesamter Thread:


1520367 Einträge in 16339 Threads, 14354 registrierte Benutzer Forumszeit: 08.01.2026, 20:24
RSS Einträge  RSS Threads | Kontakt | Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Forumsregeln