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Wäre eine sehr hohe Dunkelziffer nicht sogar eine positive Nachricht? (Corona)

Cthulhu @, Essen, Freitag, 26.11.2021, 09:23 (vor 212 Tagen) @ CLM

Aktuell haben wir auf den Intensivstationen 4200 Menschen. Das ist schon relativ nah an dem Maximum aus der 2. Welle, als es knapp 6000 waren. Dass wir diese 6000 knacken werden ist wohl relativ sicher.

Es sind damit aktuell etwas mehr Patienten als Ende November 2020, als es knapp 3900 waren.

Vereinfacht gesagt, sind die Zahlen vergleichbar. Der Unterschied ist aber, dass die Infektionslage momentan 3 mal so hoch ist, wie zum selben Zeitpunkt 2020. Oder anders ausgedrückt: Es kommen derzeit nur ein Drittel der Patienten auf der ITS an, wie vor einem Jahr.

Die Positivrate liegt nun bei 20%, vor einem Jahr bei 9%. Eine hohe Positivrate bedeutet auch: Es wird nicht ausreichend getestet, die Dunkelziffer steigt an.

Wenn wir nun also ähnlich viele Patienten auf ITS haben, aber eine dreimal höhere Inzidenz und eine doppelt so hohe Positivrate (und damit vermutlich - vereinfacht gesagt - auch eine doppelt so hohe Dunkelziffer), sehen wir hier eine extrem hohe Wirkung der Impfung und gleichzeitig eine deutlich schnellere Ausbreitung.

Versuchen wir uns an einem Rechenbeispiel (mit fiktiven Dunkelziffern, aber in der Relation korrekten Zahlen):
Aktuell haben wir im 7-Tage-Schnitt 56.000 Neuinfektionen pro Tag, vor einem Jahr etwa 18.000.

Nehmen wir an, letztes Jahr betrug die Dunkelziffer 2-3. Das heißt, in der Realität wären es ca. 40.000 bis 50.000 Neuinfektionen pro Tag gewesen. Die Dunkelziffer auf der ITS ist 1, existiert also nicht.

Nehmen wir nun an, dass die Dunkelziffer jetzt doppelt so hoch ist, also 4-6. Dann hätten wir jetzt in der Realität 250.000 bis 300.000 Neuinfektionen pro Tag.

Das heißt, in der Realität ist die Infektionslage 6-8 mal höher als vor einem Jahr. Die Patienten auf der ITS aber etwa ähnlich hoch. (Ja, die ITS kommt natürlich 2-3 Wochen verzögert, aber die Relation gilt ja auch für die Zeit vor 2-3 Wochen).


Das hieße im Umkehrschluss auch: Bei bis zu 300.000 Neuinfektionen pro Tag würde es nur ca. einen Monat dauern bis sich 10 Mio Menschen in Deutschland angesteckt haben. Bis Ende Februar könnten das sogar 25-30 Mio sein. Wenn wir davon ausgehen, dass die aktuelle Inzidenz der Ungeimpften etwa 10 mal höher ist als die der Geimpften, wären das bis zu 2,5 Mio Geimpfte, die sich infizieren und 25 Mio Ungeimpfte. Und schwupps: das ist genau die Zahl an Menschen, die aktuell noch ungeimpft ist.

Fazit: Die Aussage, dass sich bis Ende des Winters alle Ungeimpften infizieren werden, ist nicht unrealistisch.
Wie gesagt, alles sehr (!) vereinfacht gerechnet, quasi nur überschlagen und viele Bedingungen (z.B. Verlangsamung der Ausbreitung durch stärkere Maßnahmen, steigende Impfquote oder höheren Anteil immuner Bevölkerung) außer Acht gelassen. In der Konsequenz hieße das aber, dass 100% der Bevölkerung am Ende des Winters mit dem Virus in Kontakt gekommen sind. Das wäre für ein Ende der Pandemie eine gute Aussicht.

Die Frage ist nur aktuell: Wo ist das Ende der Fahnenstange? Der Erzgebirgskreis hat aktuell ca. 12.000 bekannte aktive Infektionen bei 330.000 Einwohnern. Wenn die Dunkelziffer tatsächlich 6-8 ist, würde das bedeuten, dass aktuell bis zu 20% der Einwohner in der Region eine aktive Infektion mit Covid-19 haben und die Anzahl der Neuinfektionen.

Zumindest für die Region bzw. Regionen mit ähnlichen Zahlen gilt ziemlich sicher die "geimpft, genesen oder gestorben" Variante, ich kann mir nicht vorstellen, dass es dort Menschen gibt, die im Laufe des Winters nicht mit dem Virus in Kontakt kommen.

Während es eigentlich in der ganzen Pandemie in Deutschland auch immer ein wenig "Pech" dazugehörte, sich doch zu infizieren (wir hatten entsprechende Maßnahmen und selbst bei der 200er Inzidenz von letztem Jahr ist die Anzahl gleichzeitiger Infektionen im Bezug auf die Gesamtbevölkerung ja relativ gering gewesen, dementsprechend war eine überwältigende Mehrheit der Menschen im jeweiligen Moment nicht infiziert) so ist es regional ja kaum möglich, dass Haus zu verlassen, ohne einer ansteckenden Person zu begegnen.


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