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Der Fall Spahn - oder wenn das eigene Lebensmodell an der Gruppenmoral scheitert (Politik)

Ulrich, Samstag, 18.07.2026, 17:56 (vor 1 Tag, 12 Stunden, 4 Min.) @ Klopfer

Die Frage ist, wie glaubwürdig kann ein Politiker sein, der in aller Öffentlichkeit Wasser predigt, aber insgeheim Wein trinkt?

Die politische Position von Jens Spahn zur Leihmutterschaft war bekannt. Privat macht er genau das Gegenteil. Und das Kind, das so gezeugt wurde, fiel keineswegs vom Himmel. Jens Spahn und sein Mann haben sich um eine Leihmutter in den USA bemüht, schon das könnte einige Zeit gedauert haben. Dann neun Monate Schwangerschaft, und danach präsentiert man das Kind per Bild-Story und auf Instagram.

Ich habe nirgendwo einen Hinweis darauf gefunden, dass Jens Spahn im Vorfeld Partei- oder Fraktionsgremien informiert hätte. Dafür hätte er lange Zeit gehabt. Er hat sie verstreichen lassen. Vermutlich war seine Entscheidung bereits gefallen, als er sich Ende Mai letzten Jahres zum Vorsitzenden der Unionsfraktion wählen ließ. Und auch jetzt hat er zwar den Kanzler und CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz persönlich ins Bild gesetzt, aber nicht seine eigene Fraktion oder wichtige Gremien der Partei. Stattdessen wählte er den Weg über einen Podcast mit Paul Ronzheimer. Da darf er sich nicht wundern, dass diejenigen, die Rücktrittsforderungen gestellt haben, nicht zuvor direkten Kontakt mit ihm aufnahmen.

Für mich ergibt sich das Bild eines Mannes, der geglaubt hat, er könne alles tun, ohne irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Vermutlich versteht er aktuell die Welt nicht mehr.

Um nicht falsch verstanden zu werden, kein Parteimitglied ist verpflichtet, alle Positionen seiner eigenen Partei ausnahmslos mitzutragen. Ausnahmen gibt es nur da, wo es um Inhalte geht, die mit dem Weltbild der eigenen Partei absolut nicht zu vereinbaren sind. Aber er darf nicht eine Position öffentlich übernehmen, um dann privat das Gegenteil zu praktizieren. Dann macht er sich nicht nur unglaubwürdig, er läuft zudem Gefahr, untragbar zu werden.

Dass die erste Rücktrittsforderung an Jens Spahn aus Mecklenburg-Vorpommern kommt, überrascht mich nicht. Die CDU steht dort massiv unter Druck. Mittlerweile ist man in den Umfragen auf unter zehn Prozent gefallen, und ein Boden ist aktuell nicht absehbar. Den Verantwortlichen dort ist sehr klar, dass das Verhalten von Jens Spahn Wasser auf die Mühlen der AfD ist. Dass sich die Werte der CDU in Berlin nach dem Verzicht von Kai Wegner auf die Spitzenkandidatur dort spürbar verbessert haben, könnte auch eine Rolle spielen.

Den Daumen über Jens Spahn gesenkt hat Friedrich Merz. Der Rücktritt seines Fraktionsvorsitzenden verschafft ihm jetzt einerseits Luft. Aber gelingt der Befreiungsschlag nicht, könnte er selbst binnen Monaten ebenfalls massiv unter Druck geraten.


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