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Das Wesentliche gerät mal wieder in den Hintergrund (Politik)

markus, Donnerstag, 23.07.2026, 12:29 (vor 1 Tag, 0 Stunden, 48 Min.) @ Giog


Da spricht für mich wirklich so ziemlich nicht mehr viel für diese Optio eines eigenen Kindes.
Ist zwar in den USA, die sowieso einen Scheiß (auch schon vor Trumo) auf Menschen in prekären Situationen geben (sind ja selbst Schuld), aber auch hier in Deutschland würde vermutlich der ein oder andere Punkt übernommen.


Mag sein, dass es Gemengelagen gibt, in denen das Konzept Leihmutterschaft dazu dient, z. B. nächsten Angehörigen aus altruistischen Motiven ein Kind zu ermöglichen. Sobald das Ganze einen monetären Charakter bekommt, kann es aber aus meiner Sicht nicht ohne die genannten Auswüchse verlaufen. Das lässt sich deshalb m. E. auch nicht in einer Art und Weise regulieren, die nicht zwangsläufig zur Ausbeutung von Personen in prekären Lebensumständen führt.


Wenn sich eine Frau in derart prekären Lebensumständen befindet, wie kommt sie da denn alternativ heraus?

Es ist nicht als rhetorische Frage gemeint, aber nach meinem Verständnis hilft ein Verbot ohne einen ganzheitlichen Blick auf das Problem selten weiter.


Klar, wer Leihmutterschaft aus den von mir genannten Gründen ablehnt, muss selbstverständlich auch dafür eintreten, die Ursachen von Armut zu bekämpfen. Beides schließt sich ja nicht aus. Es erscheint mir zugleich eher zynisch, die prekäre Lebenssituation der Betroffenen als Argument dafür heranzuziehen, dass sie unter Inkaufnahme von erheblichen physischen und psychischen Belastungen eine Schwangerschaft am Markt anbieten können sollten. Ein Verbot löst Armut nicht – aber Armut dadurch zu "lösen", dass man sie ökonomisch in diesem gravierenden und krassen Ausmaß verwertbar macht, kann auch nicht der Weg sein.

Was wäre denn eine realistische Lösung? Ich gehe nicht davon aus, dass wir es schaffen werden, Armut weltweit zu beseitigen.

Es ist ja schon ein grundsätzliches Problem. Der Mensch ist egoistisch. Staaten stehen in Konkurrenz zueinander. Wenn wir ehrlich sind, profitieren wir alle in vielen Bereichen selbst davon, dass Menschen in anderen Ländern unter schlechten Bedingungen arbeiten. Die Schuhe von Primark für 4,99 Euro gibt es vermutlich nur deshalb, weil sie dort produziert werden, wo Löhne niedrig sind und Sozialversicherungen fehlen.

Es stellt sich auch die Frage, wo Armut und Zwang beginnt. Wenn man Armut oder eine Zwangslage so weit auslegt, dass sie bereits immer dann vorliegt, wenn jemand etwas nur wegen des Geldes tut, dann wäre letztlich auch ein großer Teil der Arbeitswelt in Deutschland von Zwang geprägt. Die wenigsten Menschen würden ihren Beruf weiter ausüben, wenn sie dafür kein Geld mehr bekämen. Die meisten Menschen tun das nur deshalb, weil sie auf das Geld angewiesen sind. Besonders körperlich und psychisch sehr belastende Tätigkeiten wie Spargelstechen, Altenpflege oder die Arbeit in Schlachtbetrieben werden zudem häufig von zugewanderten Menschen übernommen, weil viele Deutsche diese Arbeit nicht machen möchten. Wir wissen aber, dass diese Menschen einen noch größeren wirtschaftlichen Druck haben und lassen das einfach ohne Skrupel zu.

Wenn für bestimmte Menschen die Alternativen schlimmer sind als Prostitution und Leihmutterschaft, ist es für mich naheliegen, dass sie sich für diesen Weg entscheiden. Dann kann es doch nur noch darum gehen, diese Tätigkeiten möglichst gut zu regulieren.


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