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Der Fall Spahn - oder wenn das eigene Lebensmodell an der Gruppenmoral scheitert (Politik)

Ulrich, Samstag, 18.07.2026, 19:26 (vor 1 Tag, 23 Stunden, 5 Min.) @ Habakuk

Genau: Spahn ist schon lange untragbar und hätte gar nicht erst zum Fraktionsvorsitzenden gewählt werden dürfen. Das muss Merz sich ankreiden lassen. Aber angesichts der sehr vielen inkompetenten Minister fällt ein inkompetenter Fraktionsvorsitzender kaum ins Gewicht…


Ich glaube kaum, dass Merz überhaupt in der Lage war, das zu verhindern, auch wenn er (was ich glaube) gewollt hätte.

Das lässt sich von außen schwer beurteilen. Gegen den Willen eines Kanzlers wird niemand Vorsitzender der Fraktion seiner Partei im Bundestag. Aber jemanden abzulehnen, kann durchaus der Beginn eines heftigen Machtkampfes werden.

Die Süddeutsche hat am 18.04.2025 einen ausführlichen Artikel zum Thema Friedrich Merz und Jens Spahn veröffentlicht, leider wohl hinter der Paywall.

https://www.sueddeutsche.de/politik/cdu-spahn-merz-li.3238817

"Dazu muss man wissen: Das Verhältnis zwischen Merz und Spahn ist kompliziert, eine solche Wahl wäre auch für Merz nicht ohne Risiko. Angela Merkel band Spahn als Gesundheitsminister in die Regierungsdisziplin ein; als Fraktionschef könnte er sich mit viel eigener Hausmacht auch zu einem Gegenspieler entwickeln, wenn ihm der Kurs nicht passt. Merz hielt Spahn einst nicht für den seriösesten Politiker in Berlin. Aber Spahns Einfluss im konservativen Flügel ist nun einmal groß; er ist ein begnadeter Netzwerker. Außerdem hat Spahn in den Koalitionsgesprächen mit der SPD sein Verhandlungsgeschick bewiesen, das hat auch Merz anerkannt und geschätzt."

.....

"Über das Verhältnis zwischen Merz und Spahn sagt ein CDU-Parteistratege: „Der Jens beherrscht den Enkeltrick perfekt und hat sich das Vertrauen von Merz erschlichen.“ Deswegen wird Spahn nun vor allem für zwei Posten gehandelt: als Wirtschaftsminister – oder eben als Chef der Bundestagsfraktion.

In der CDU heißt es allerdings, einflussreiche CDU-Mitglieder hätten hinterlegt, dass sie Spahn als Fraktionschef ablehnten. Die Kritiker Spahns nennen zwei Gründe. Erstens brauche es in der Fraktion jemanden, der sich hart von der AfD abgrenze und sich nicht – wie Spahn – für eine Normalisierung ausspreche. Zumal dies schnell auch die Stabilität einer Koalition mit der SPD gefährden könnte. Und zweitens müsse jemand die Fraktion führen, der hochloyal zu Merz sei, statt sich selbst für den besseren Kanzler zu halten. Manche wünschen sich deswegen eher einen Brückenbauer wie den Merz-Vertrauten Johann Wadephul an der Spitze der Fraktion."

Interessanterweise haben sich die damaligen Befürchtungen nicht bestätigt, stattdessen ist Jens Spahn über ein Baby "gestolpert".


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