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Der Fall Spahn - oder wenn das eigene Lebensmodell an der Gruppenmoral scheitert (Politik)

FourrierTrans, Freistaat Sauerland, Sonntag, 19.07.2026, 14:44 (vor 1 Tag, 19 Stunden, 47 Min.) @ markus
bearbeitet von FourrierTrans, Sonntag, 19.07.2026, 14:49

Vielleicht weil auf der anderen Seite viele Menschen den Eindruck haben, dass die aktuelle Regierung in ihnen auch mehr einen Kostenfaktor, denn den Menschen sehen.


Mir ist das zu einfach. Wenn eine Regierung Reformen anpackt, wird ihr vorgeworfen, sie belaste die Bürger finanziell. Tut sie nichts, heißt es ein paar Jahre später, sie habe notwendige Reformen verschlafen. Viele Reformen kosten kurzfristig Geld, weil sie auf langfristige Probleme reagieren sollen. Die Alternative ist oft nicht “keine Kosten”, sondern lediglich höhere Kosten zu einem späteren Zeitpunkt.


Das ist sicherlich absolut richtig. Wem es wie viel kostet, also welcher Bevölkerungsgruppe, ist aber dann wiederum Handlungsspielraum der in Verantwortung stehenden Regierung.


Du wirst aber nie alle zufriedenstellen können. Fast jeder kann nachvollziehbar begründen, warum gerade er selbst möglichst wenig oder gar keinen Beitrag leisten sollte und warum stattdessen andere stärker belastet werden müssten. Genau deshalb sind solche Verteilungsfragen politisch so schwierig. Irgendjemand wird am Ende fast immer das Gefühl haben, zu kurz zu kommen.

Das stimmt. Ein sehr komplexes Thema, Faustformel ist aber natürlich, möglichst viele Wähler/innen hinter sich zu vereinen. In einem Wahlsystem, in dem jede Stimme gleich viel zählt, ist das elementar. Ein Gemisch aus länger anhaltendem wirtschaftlichem Niedergang/Rückgang und dem primären Fokus auf die Befriedigung einer zu kleinen Wählerschicht ist ein Spiel mit dem Feuer, was in der Regel irgendwann dann auch Feuer fängt. Deswegen ist Verantwortungsbewusstsein und Loyalität zum Wohle des Volkes so fundamental, insbesondere dann, wenn eine kleine aber sehr einflussreiche Wählerschicht genau solche Werte eben nicht mehr teilt. Sondern man sich eher als "Weltenbürger" (oder wie man heute sagt, "anywheres") sieht. Die Gefahr, dass dann irgendwann irgendjemand oder irgendeine Institution kommt, die sich sozial geriert (oder gar einige wenige soziale Entwicklungen durchpeitscht), wird rasend schnell Zuspruch finden. Dabei spielt dann die originäre Motivation dieses Spielers keine Rolle mehr, wenn das Volk endlich einen neuen "sozialen Leader", der sich um sie kümmert, gefunden hat. Vorboten sind meistens die Ausgrenzung von Minderheiten und das Suchen von Schuldigen am unteren Ende der sozialen Leiter, weil solche politischen Kräfte sehr genau wissen, dass diese "Schuldigen" dem Durchschnittswähler viel näher sind, als die eigentlichen Problemverursacher. Wenn man im politischen Betrieb dann nur Claqueure und Opportunisten sitzen hat, ist die parlamentarische Demokratie dieser Entwicklung nahezu schutzlos ausgeliefert.


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