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Nord Stream 1 und 2 (Sonstiges)

Ulrich @, Samstag, 12.02.2022, 08:59 (vor 145 Tagen) @ DB146

dann sollten wir schon mal mehr grüne Atomenergie in Frankreich bestellen ;-)

Frankreich hat in den letzten Monaten ganz massiv Strom aus seinen Nachbarländern importiert, auch aus Deutschland. Vier der leistungsstärksten Reaktoren mussten aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden, man hatte Risse in Rohrleitungen entdeckt. Andere waren wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten herunter gefahren worden. In der Spitze waren 17 von 56 Reaktoren nicht am Netz. Man geht davon aus, dass weitere Reaktoren aus der gleichen Bauserie wie die vier bereits herunter gefahrenen ähnliche Rissbildungen aufweisen könnten.


Also das eine hat mit dem anderen ja erst einmal nichts zu tun. In Deutschland heizen die meisten noch mit Gas. Strom aus Atomkraftwerken hilft nur dann, wenn z.B. mehr Haushalte über Wärmepumpen verfügen würden, die mit Strom (oder Erdwärme) betrieben werden.

Aktuell ist Strom bei uns kein Problem. Allerdings droht und in Zukunft eine Stromlücke, weil der Ausbau der Regenerativen Energien bei uns systematisch behindert worden ist und auch heute noch behindert wird.


Du kannst nicht bis zum nächsten Winter alle Gasheizungen gegen Wärmepumpen oder ähnliche Heizungen austauschen. Sind einfach zu viele, dazu die Frage wer das finanzieren will und natürlich der plötzlich deutlich höhere Strombedarf.

Und woher soll das Gas dann kommen? Mit Schiffstransporten aus den USA etc. kannst du das nicht kompensieren.

Man könnte es kompensieren, wenn es genügend CNG-Terminals geben würde. Dann wäre Versorgungssicherheit nur noch eine Frage des Preises. Aber in Deutschland gibt es kein einziges dieser Terminals, die letzten Bundesregierungen hielten den Bau für unnötig, man vertraute dem Lieferanten Russland. Und die Terminals in den Nachbarländern sind von ihrer Kapazität her nicht ausreichend, um einen Komplettausfall von Russland kompensieren zu können.

Auf dem Gasmarkt haben wir aktuell eine Art "perfekten Sturm". Weltweit sind die Produzenten vom Anziehen der Nachfrage im letzten Jahr überrascht worden. Da Gas -wie auch Strom- in den letzten Jahren am Spotmarkt billiger war als am Terminmarkt haben viele Akteure versäumt, sich langfristig abzusichern.

Russland ist bisher auf dem Gasmarkt seinen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen. Aber seit dem letzten Sommer liefert das Land anders als früher keinen einzigen zusätzlichen Kubikmeter für die Spot-Märkte. Mittlerweile gehören Gazprom in Deutschland auch wichtige Gasspeicher, unter den letzten Ministern Gabriel und Altmaier pflegte das Bundeswirtschaftsministerium einen ausgesprochen freundlichen Umgang mit dem Unternehmen. Manche sprachen spöttisch von "Putins Gasleitung ins Ministerium". Man ließ zu, dass Gazprom die Speicher der Firma Wintershall aufkaufte, alleine der im niedersächsischen Rehden macht rund 20 Prozent der deutschen Speicherkapazität aus. Bisher gibt es für die Speicherbetreiber so gut wie keine Regeln, nicht einmal ein Mindestfüllstand zu Winterbeginn ist vorgeschrieben. Aktuell sind die Gazprom-Speicher in Deutschland so gut wie leer, der in Rehden z.B. hat einen Füllstand von weniger als 4 Prozent. Schon jetzt droht eine akute Knappheit, falls wir in den nächsten Wochen eine Kältewelle bekommen sollten.


Marschiert Russland in die Ukraine ein und man sanktioniert sehr weitgehend, wird man für das Problem eine Lösung finden müssen.

Kurzfristig wird man nur am Verbrauch "drehen" können. Es drohen Abschaltungen z.B. im Bereich der Industrie.

Betroffen vom Preisschub beim Erdgas ist nicht nur Deutschland. Plus 450 Prozent: Strompreis-Schock beendet Italiens Aufschwung (Süddeutsche Zeitung). Ich vermute, auch in Italien hat man voll auf den Spot-Markt gesetzt, statt sich durch langfristige Kontrakte abzusichern. Italien erzeugt etwa die Hälfte seines Stroms aus Erdgas. Und das, obwohl das Land ideale Bedingungen für Photovoltaik und Windenergie bietet. Aber wie auch bei uns wird der Ausbau massiv behindert. Energiewende in Italien: Zu schön und zu alt für Solarstrom (Süddeutsche Zeitung).


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